Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Sturm und Drang [Rezension]
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 Im Deutschen Reich wirbelte uns mit seinen Blättern, und dauert in gesteigerter hef. Ligkeit an bis zum heutigen Dqge. Bus der Ueberfülle der Liedersammlungen die eine oder andere hcrauszugreifen ist schwer und Veranttvortlich,. denn man lauft immer Gefahr» fehlzugreifen» ein wertvolleres zu übergehen. Be merkenswert ist 'indes die große Bnzahl jüdischer Kriegsdichter und mehr noch ldie Frische, die Echtheit der Empfindung die sich .in ihren Liedern oft machtvoll ausdrückt.. Dasselbe starke Vaterlandsgefühl, das sie zum Schwert greifen ließ, zwang ihnen auch die Stahlfeder in die Rechte, und aus den Schützengraben rauschen ihre Lieder empor, bald zornflammends Kampfgesange, bald brünstige Gebete. Das Reiterlied von Zucker-- mann. der auf dem Felde der Ehre für sein österreichisches Vaterland fiel, ist zum Volkslied geworden. So mancher Gesang, der unsere Bataillonein den Sturm führt, ist aus jüdischer Feder, aus jüdischem Empfinden geflossen, heute weht uns der Zufall ein kleines schlichtes Bändchen, eine Sammlung klangvoller, warm empfundener Kriegslieder auf den Tisch. Felix Hermann, ein jugendlicher Kampfer, der bei Beginn des Krieges schnell den Schulranzen des Glogauer Oberprimaners mit dem Tornister vertauschte und als Freiwilliger hinauszog in den Krieg, hat hier den aus Begeisterung geborenen Taten unserer Fugend einen be, geisterten Text gewidmet. In den Blättern seiner schlesischen Heimat sind die^ Lieder meist erschienen, die nun gesammelt vor uns liegen Und in denen eine hochaufflaminende Kampfbegier, eine tiefinnige Vaterlandstrene, eine rührende Heimatliebe beweglich zu uns spricht. Die Form ist natürlich noch nicht zur künstlerischen Sicherheit gereift, die Sprache gehorcht noch nicht restlos der Meisternden Hand, aber gerade das Bewußtsein, daß nicht ein Bes rufspoet einen Empfindungsausdruck künstelt, sondern daß eine starke Empfindung erst den Poeten macht — facit indignatio versum — steigert unser Interesse an dem Werk und unsere Freude an dem Gelungenen. Verse von Schwung und Wärme und natürlichreinem Fluß der Sprache begegnen uns oft und klingen lange nach in unserem dankbaren Erinnern, wie etwa: Ja, frei und hoch erhoben Mein Deutschland! stehst du da- Drum laß sie ruhig toben, Steh fest, Germania! Ob hier, ob überm Meere, Wir fürchten keinen. Feind Fest stehen unsre Heere Bis uns die Sonne scheint! Mitunter wäre dem jungen Dichter eine größere Strenge in der Auswahl zu wünschen gewesen. Strophen wie: Der Sang war ausgesungen, der Regen stärker rann Es stieg zur Gruft hernieder Herr Hugo Zuckermann Doch eh' sich noch geschlossen die schwarze Todesstadt Erklangen Siegesglocken gesall'n war Belgerad — hatten wir lieber vermißt. Frisch und klangvoll ist die bulgarische Zarenhymne, und aus einem innig frommen Gemüt strömen dis Lieder, die den gefallenen Kameraden, die der Siegeshoffnung gelten. Doch über dem äußeren Feind ist aber auch der innere Gegner nicht vergessen, der sich nrcht scheut, den Lügenfeldzug gegen die Juden ferge fortzusetzen» während ihrer so viele Zehntausende für das Vaterland kämpfen und bluten. J. L. *