Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Russische Verräter-Fabrik
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 220 (sequence 2)
- Language
- German
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220 Im Deutschen Reich. angesehensten jüdischen Kaufleute in der Stadt unverzüglich nach Sibirien zu verschicken. Der Vorfall erregte in der Stadt großen Schrecken, die wildesten Gerüchte liefen umher wegen der geheimnisvollen Gründe dieser unerwarteten Verbannung. Alle Bemühungen, sowohl von jüdischer als auch von christlicher Seite, die Verbannung wenigstens zu verschieben, bis die Gründe aufgeklärt seien, blieben erfolglos. Es gelang schließlich zweien der Betroffenen, vorläufig ins Gefängnis gesperrt zu werden in der Hoffnung,, daß ihre Angelegenheit doch geklärt werden würde, da sie sich frei von jeder Schuld wußten. Erst jetzt, nachdem sie schon ein halbes Jahr im Gefängnis schmachteten und die anderen beiden in Sibirien in der Verbannung lebtrn, stellt es sich heraus, daß dieser Verbannungsbefehl niemals gegeben worden ist, daß es sich vielmehr um einen Gaunertrick handelt. Ein entlassener christlicher Beamter des einen der vier Kaufteute, der wegen Unterschlagung bei demselben im Kiewer Gefängnis sitzt, hatte bei Gelegenheit einen Briefbogen der Gefängnisverwaltung gestohlen, hatte diesen Verbannungsbefehl an den Polizeimeister von Wilnica geschrieben und ihn mit einer Unterschrift bekräftigt. Dieser Brief, der von einer Instanz kam, der der Polizeimeister von Wilnica gar nicht unterstand, hatte den Polizeischergen genügt, um ganz unschuldige, angesehene Juden ins Unglück zu stürzen. Die vier Juden befinden sich nun auf freiem Fuße, aber keiner der Verbrecher erhielt eine Strafe. Die russische Presse betont, daß dieser Vorfall nicht alleinstehend ist. * Vereinsnachrichten. Am 30. September d. I. hat Herr Alphonse Levh seine Tätigkeit als Hauptleiter unserer Zeitschrift aufgegeben. Vor 22 Jahren ist Herr Levy in den Dienst des Centralvereins getreten und hat sich mit treuer Hingabe und unermüdlichem Fleiße den Aufgaben des Vereins gewidmet, auch als durch das Wachsen des Vereins an Zahl der Mitglieder und Mannigfaltigkeit der Arbeitsgebiete der Umfang der Geschäfte immer mehr zunahm und immer größere Anforderungen an seine Schaffenskraft stellte. Eine besonders erwünschte Tätigkeit war ihm die Leitung dieser Zeitschrift, deren erste Bummer im Fuli^l.896 erschien. Zwanzig Jahre lang hat er, unterstützt durch eine ^seltene Personen- und Sachkenntnis und schriftstellerische Gewandtheit, die er schon früher namentlich als Leiter des amtlichen „Freiberger Generalanzeiger' betätigt hatte, mit besonderer Liebe für jedes Heft seine beste K'raft eingesetzt und auch von der Zeitschrift sich nicht zu trennen ver-