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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 219

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
Die Russen in Galizien
Date
1916-09-01
Page
219 (sequence 2)
Language
German
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9vussischc >Berräter-Fabrik. 219 Vetresfenden die Gefahr droht, tatsächlich Hungers zu sterben. Es wird beabsichtigt, nur nlten Leuten und Bindern Nahrungsmittel zu gewahren. Von 2100 Juden. die in Tarnopol die Spei^ehallen benutzt h-aben» sind nur 600 Kinder übriagcblieben, die die Berechtigung haben, die Hatten zu benutzen. Bon 3050 nach Tarnopol vertriebenen Juden wurden 2000 von der Benutzung der Speisehallen ausgeschlossen. Gegenwärtig trägt man sich mit den-Plänen, die Sp.riseyallen überhaupt zu schließen und den notleidenden alten. Leuten und Kindern 15—18 Kopeken täglich für ihren Lebensunterhalt zu gewähren. Nach wie vor werden die Frrden zu den Arbeiten auf Chausseen, Eisenbahngleisen, bei Waggonladungen, Straßen- und lUoakenreinigung gezwungen, ohne Rücksicht auf Alter, Stand und Gesundheit; aber diese „Arbeiter" -bekommen gar kerne Bezahlung. In Tarnopol tz. B. werden täglich 5—600 Juden, sowohl arbeitsfähige als auch »unfähige, zusammengetrieben. Bei Arbeiten, bei denen Aussicht auf Entlohnung besteht, werden die sich massenhaft anbietenden Juden abgelehnt <wie B. in Skalat). Alle Berichte des Verbandes besagen, daß die jüdrsche Bevölkerung nicht nur keine Arbeit scheut, sondern. sich zu jeder möglichen Arbeit anbietet, um nur ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Verband ist leider völlig machtlos, diesen Wünschen aus Gründen rein lokaler Natur (soll wohl heißen russisch-polnische? Agitation) nachzukommen. & Russische Verräter-Fabrik. Man kennt die alte, uralte Geschichte vom russischen „Staatsverbrecher". In einer mittleren russischen Provinzstadi wird der angesehenste und reichste jüdische Bürger, ein um Staat und Gemeinde wohlverdienter Mann, nachts aus dem Bette getrommelt. Er soll gefangen genommen und nach der Hauptstadt geliefert werden. Kein Klagen, kein Jammern hilft, Vicht einmal die allmächtige Bestechung — wahrscheinlich war Nicht genug Bargeld im Hause — auf keine Frage wird Antwort erteilt. Notdürftig bekleidet und hart gefesselt wird der Unglückliche in den Schlitten geschleift und fort gehts in die Haupt st ad t. Dort — mehr tot als lebendig — angelangt, erfährt der gefesselt vorgeführte Gefangene, daß er — zur Enthegennahme einer Ordensauszeichnung nach Petersburg kommen sollte. Etwas ähnliches hat sich jetzt tatsächlich ereignet. Anläßlich der Befreiung des wegen Hochverrats derur» keilten Juden GerschanowiM aus Mariampol ist es der russischen Presse möglich geworden, über ein neuentdecktes Verbrechen gegen russische Juden zu sprechen. Anfang des Jahres ■1916, in der Zeit der eifrigsten Verleumdungshetze gegen die Juden, erhielt die Polizetverwaltung in Wilnica (Gouvernement Podolien) eines Tages einen Befehl aus Kiew, die vier

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