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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 199

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1916-09-01
Page
199 (sequence 2)
Language
German
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Am scharr. 199 Brunft das nach der Stimmung und den Forderungen der Zeit erweiterte Gebet für das Kaiserhaus, für das kämpfende Heer, für Reichs» und Staatsregierung gesprochen, hatten in ihren Predigten den Mut, die Zuversicht, die Hoffnung ihrer Gemeinden gestärkt. Da, in der Stunde, in der gerade der Gottesdienst beendet war, wurde der Reichstag wieder eröffnet. Der Reichskanzler erhob sich zur spannungsvoll erwarteten Rede, zu jener seitdem so viel gedeuteten, gedeutelten und mißdeuteten Beleuchtung der Kriegslage, zu jener Rede, die mit der Verheißung schloß: „Eine Staatsnotwendigkeit, die sich gegen alle Hemmungen durchsetzen wird, ist es, die Kräfte, die da sind, die zu schaffen, zu wirken verlangen, für das Ganze zu nützen („Bravorufe" verzeichnet der Bericht). Freie Bahn für alle Tüchtigen, das ist die Losung („Lebhafter Beifall" verzeichnet der Bericht). Die Regierung wird diese Losung vorurteilsfrei durchführen." Was uns diese feierliche Zusage, in feierlicher Stunde gegeben, ganz besonders wertvoll macht, das ist nicht eigentlich ihr positiver Inhalt für sich allein. Denn im Grunde — an anderer Stelle haben wir es bereits hervorgehoben — im Grunde hat der Reichskanzler nur eine Notwendigkeit betont, die bei gebührender Geltung der durch Verfassung und Gesetz gewährleisteten Gleichberechtigung selbstverständlich sein müßte. Warum sie es dennoch nicht zur Durchführung gebracht hat, warum die grundsätzlich erkämpften und gewährten Rechte nicht zu praktischer Ausführung kamen, das hat der Reichskanzler in einem vorsichtig, rücksichtsvoll andeutenden und doch so sicher kennzeichnenden Worte ansgedrückt, indem er von den „Hemmungen" sprach. Und daß er es als eine „Staatsnotwendigkeit" hinstellte, „die Kräfte, die da sind, die, zu schaffen, zu wirken verlangen, für das Ganze zu nützen", daß er es unternehmen will, dies „gegen alle Hemmungen durchzufetzen", das ist die Verheißung, die wir willkommen heißen, d a s ist die Zusage, die wir als die Aeujahrsgabe begrüßen und in Erinnerung behalten wollen. Denn diese „Hemmungen", sie machen sich bereits an allen Ecken und Enden bemerkbar. Innerhalb des Burgfriedens regt sich jetzt schon die alte Feindseligkeit, wagt sich die alte Lust an der Verhetzung hervor und alle Anzeichen weisen darauf hin, daß der Antisemitismus eifrig rüstet, um an den Krieg nach außen sofort innere Kämpfe anzuglieder.i. Seitdem gegen Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die hohe Woge des Antisemitismus — auch der neue Name, für den alten Judenhaß stammt aus jener Zelt

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