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Im deutschen Reich · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. 189

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Article
Die Juden im Zartum Polen [Rezension]
Date
1916-07-01
Page
189 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschat^ 189 bald ein wirtschaftlicher Kampf gegen diese, der mit Wohnrechts- Beschränkungen innerhalb der einzelnen Städte sich verknüpfte und hierdurch ein Abfluten der Juden in das flache Land verursachte. Dort wurden sie Werkzeuge eines hochmütigen Adels und damit in eine Rolle gedrängt, die sie demütigte und demoralisierte. Durch die religiösen Spaltungen in seiner Errstenz bedroht, entfachte auch die Geistlichkeit einen wilden Ansturm gegen die Iudenschaft, der, gegen den Brillen der polnischen Könige bis zu blutigen Verfolgungen anschwoll. In der Zeit der Kosakenkämpfe verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage der Juden ganz beträchtlich, und die schwedisch-russische Invasion ist dann ein großes, furchtbares Kapitel ihrer Leidensgeschichte. Das war im 17. Jahrhundert. Sin großer Teil der ileberlebenden aus §reser Katastrophe suchte gezwungenermaßen in Westeuropa Zuflucht. Stammcsgenossen nahmen die Armen brüderlich auf. Aber schon nach kurzem erfolgte, begünstigt durch das Wohlwollen der polnischen Könige, die Rückkehr dieser Flüchtlinge iit ihre Heimstätten. Indes, dort machten sich» bereits die Keime des allgemeinen Reichszersattes verglich fühlbar, und es ließ sich nicht verhindern, daß die Juden allmählich immer mehr und mcjhr nngedammter Schlachzizenwillkür ausgcliefert wurden. Die hierdurch bedingte Verarmung der jüdischen Massen veranlaßte auch den Verfall des jüdischen Gemeindelebens, und auf. diesem Hintergrund konnten geistige Bewegungen wie Rabbinismus, Mystizismus, Sabbatianismus, Frankismus und ChassiWmus. innerhalb des Judentums cntftcf)cii und gedeihen. Die nächste Periode vom Untergang des polnischen Reiches bis auf die Gegenwart ist charakterisiert durch mannigfache Fresthcitsplane für die Juden und durch das gleichzeitige Aufblühen eines polnischen Rationalismus unter ihnen, der in der Beteiligung dieses Zweiges der Iudenschaft an den Freiheitskämpfer? seinen sichtbaren Ausdruck fand. Der Rovembcrausstand von 1830—31 brachte eine Verstärkung der Assimilationsbestrebungen. Vollends der letzte polnische Aufstand im Fahre 1863 führte zu ausgesprochener Verbrüderung zwischen Juden und Polen. Als dieser Ausstcnrd jedoch qualvoll zusammeubrach, waren natürlich wieder die Juden der Sündenbock für das polnische Mißgeschick. Der polnische Mittelstand, der in der Folge wirtschaftlich bäleutend anstieg, machte gegen die jüdischen Industrie- und Finanzkreise energisch Front. Im Laufe der Zeit entartete dieser heftige Konkurrenzkaurpf 'zu einem maßlosen Hasse, der nach und nach auf allen Gebieten des polnischen Lebens zu einem Iudenboykott ohne Grenzen anwUchs. Dazu trugen wesentlich auch jene russischen Juden bei, die aus Litauen mit Hilfe der russischen Regierung zu« geströmt waren, da sie, wenn auch nicht gerade russifikatorrsch.e Tendenzen, so doch jedenfalls antipolnisches Wesen zeigten. Der geschichtliche Aeberblick, den der Verfasser der oben genannten Schrift über das Schicksal der Juden in Polen bietet, konnte hier aus Raummangel begreiflicherweise nur in aller Knappheit angedeutet werden. Er läßt die geistige und seelische Besonderheit der dortigen Juden, die sich trotz ihrer Anpassungsfähigkeit an. konkrete .Verhältnisse im wesentlichen erhielt, in ihren unverwischbaren Grundzügen erkennen. Die Schwierigkeiten, die sich einer unumgänglich nötigen Verständigung von Polen und Juden entgegenstellen. unterschätzt er nicht. Reben der selbstverständlichen Währung des polnischen Landes-Charakters betont er das Recht der Iudenschaft auf Anerkennung ihrer kulturellen Entwicklung.

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