Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Article
- Die englische Asylkündigung
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 183 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtest 1S3 norwegische Blatt „Verdensgang" bemerkt dazu: „Die politischen! Flüchtlinge werden jetzt der russischen Knute oder dem Galgen ausgeliefert. Rußland erhält 25 000 Juden als Kanonenfutter, und die jungen russischen Akademiker, die aus politischen Gründen zu Lausenden dem Zarenreiche den Rücken gekehrt haben, wird Rußland an der Front sicher auf Ariasposten stellen, vielleicht an den Galgen knüpfen oder nach Sibirien senden. Mit Maxim Gorki Ware sicherlich ein gleiches geschehen, falls man nicht Europas Entrüstung befürchtete. Alle jungen Menschen, die man jetzt aus London gewaltsam den Russen in die Ärme treibe, Studenten^ Juristen, Ingenieure, Schriftsteller und die Juden, die schon in Fri^enszeiten in Rußland wie in der Hölle lebten, seien jetzt mit einem Male gut genug, uM für ihr Vaterland in den Kampf zu gehen. Wie Negersklaven stopfe man sie in London an Bord von Segelschiffen, die nach Archangelsk und Alerandrowsk gehen. Seit mehreren .Wochen fahren täglich solche Sklavenschiffe von England ab, und so wird es weiter gehen, bis alle „Landesverräter" auf russischer Erde „in Sicherheit" gebracht sind. Hätte man nicht von England, dem großen „Beschützer der Kleinen und Unterdrückten^ mehr Menschlichkeit erwarten müssen? In diesen Tagen wurden mehrere Versammlungen, der in Christiania wohnenden Russen abgehalten, die an die englische Regierung eine Eingabe in dieser Angelegenheit richten wollen." — lieber diese unmenschlichen Massenverschleppungen ist, wie in der „Frankfurter Zeitung" vom 10. August versichert wird, näheres bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Der englische Minister des Innern, HerbertS-amuel, hat vielmehr im Parlament erklärt, die Frage der Deportierung nach Rußland werde erst gestellt werden, wenn ein dienstpflichtiger russischer Jude trotz Abweisung seines Befreiungsgesuches sich weigern würde, in die englischen Armeen einzutreten. Daß die russischen Juden in England vor die Wahl gestellt werden, entweder in der englischen Armee für Rußland zu kämpfen, oder nach Rußland ausgeliefert zu werden, scheint festzustehen. Tieftraurig ist es, daß ein jüdischer Minister es über das Herz brachte, ihnen ein solches Schicksal zu verkünden, während der christliche Lord Sheffield im Oberhause verlangte, daß man den Juden, die sich weigern würden, sich der englischen Armee anzuschlreßen, gestatten solle, in das neutrale Ausland zn gehen. Lord Loreburn verlangte dasselbe für die russischen Juden und sagte dabei: „Wenn ich ein Jude Ware und auch nur einen Tropfen jüdischen Blutes in mir hätte, ließe ich mir lieber die Hand abschneiden, als das zu tun, was Mr. Samuel getan hat, nämlich diesen Leuten zu sagen: „Wenn ihr nicht in der englischen Armee dienen wollt, werden wir euch nach Rußland zurückschicken." Me anwesenden Mitglieder der Regierung, Lord Sandhurst und Lord Lansdowne, sprachen sich zwar ähnlich wie Herbert Samuel aus, aber Lansdowne versprach, der Regierung mitzuteilen, wie sehr sich die edlen Lords, u. a. Lord Rüssel, die Sache zu Herzen nehmen; er werde von der Regierung neue Weisungen verlangen.