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Im deutschen Reich · 1916-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1916) · p. 181

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1916)
Article
Passahfeier an der Westfront
Date
1916-07-01
Page
181 (sequence 1)
Language
German
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Vermischtes. 181 Vermischtes. — passak/cier an Scr Westfront. ('Aus einem Feldpostbrief). Vach einem mehrstündigen. Marsche in B .... . angekommen, begaben wir uns ^^ach kurzer Vast nach dem Rathausc, in dessen großem. Saal, für etwa 60 Mann Tische gedeckt waren. Einige Kameraden hatten vom Proviantamt alles für die Sederfeier Erforderliche erhalten nnd nett hergcrichtet. Mazze und koscherer Wein waren vom Verein für das orthodoxe Judentum in Frankfurt geschickt worden, und neues Porzellan und neue Glaser erschienen besonders einladend. Gegen sieben Uhr war die Festgejeltschaft aus unserer Division, Äurnncr in den verschiedensten Lebensaltern, vereinigt. Ich traf Manchen, den ich schon von Feldgottesdiensten her kannte. Der Osfiziersteltvertretcr B. aus K., ein Hüne voll Gestalt, begrüßte uns und gab bekannt, daß das Gen.-Kommando in jeder Weise die Abhaltung des Gottesdienstes und des Osterinahles gefördert habe. Es fct für die beiden Abende und Mittage warmes Essen bereitgestcllt worden; jeder Mann habe außerdem 1 M. baren Zuschuß erhalten. Die Kost fct rituell hergestellt worden. Der Offizierstellvertreter B. hielt dann eine Ansprache, in derer den Seder-Abend als jüdisches Familienfest feierte. Feldwebel D. — ein Lehrer — nahm hieranf den Gebetmantel um nnd sprach in der altbekannten Pesach-Melodie das -Abendgebet. Hieranf setzten wir nns zum Seder nieder, für den alle Zutaten zur Sederschüssel besorgt waren. Ofsizierstellvertreter B., der Lehrer ist» trug die Haggadah in der in der Heimat üblichen Weise vor; der jüngste Kriegsfreiwillige durfte das ,,Manischtano" sprechen, abwechselnd durften dann andere Mitkämpfer Teile der Haggadah vorlesen. Bei dem folgenden Abendessen stellte sich heraus, daß weit mehr Leute gekommen waren, als man vorausgeschen hatte. Das Elsen war nicht knapp, aber cs fehlte an Tellern und Bestecken, so daß mancher mit seinem Nachbar von einem Teller aß oder einen von einem andern Kameraden gebrauchten benutzte. Saß man doch wieder einmal 'an einem gedeckten Tisch; da kam es auf solche Kleinigkeiten nicht an. Während beim ersten Teil der Feier die Stimmung im allgemeinen im Gedenken an die Lieben zu Haus nachdenklicher Natur schien, verfehlten Speise und Trank nicht ihre Wirkung auf das leiblichen Genüssen zugängliche ^-oldatengemüt. Man unterhielt sich lebhaft angeregt über Kriegserlebnisse, Verwandtschaft, Friedcnsaussichten, Auszeichnungen nsw. Der kräftig gesungene zweite Teil der Sederseier erhöhte dre Stimmung noch mehr, hierbei bewährte sich die weite Verbreitung solcher altjüdischer Melodien; denn jeder konnte mehr oder weniger harmonisch mitsingen. war es bald 11 Ahr geworden und die Zeit des Stadturlaubs nahezu verstrichen; wir zogen deshalb nach unserem Massenquartier, einer Maschinenhalle, in der aus drer übereinander angebrachten holzgestelten nach der Art von Apfelbetten mit frischem Stroh belegte Lager bereitet waren. Feder Mann konnte mrt warmen Decken sich ein molliges Lager bereiten. Noch die Pesach-Melodien im Gedächtnis, hörten wir gewaltigen Donner schwerer Geschütze aus der Richtung von A . . . was uns aber nicht hinderte, bald in das allgemeine Schnarchkonzert einzustimmen. Am andern Morgen begann der Gottesdienst um 9 Ahr, bei dem in Ermangelung einer Thora-Rolle aus dem Gebetbuch vorgelesen wurde. Lehrer R. hielt eine zur Andacht stimmende Predigt über

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