Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Article
- Der "Altmärker"
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 179 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316857-2316861-2350833--26296-2350943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen« 179 wunderschönesonnige Herbstwald und die fanatische Bande kontrastieren wie Mittelalter und Renaissance". — Da solche Gebräuche nie unmittelbar aufeinander folgen, must Dr. K. K. die Betenden ziemlich lange beobachtet haben, was mindestens taktlos ist; die frommen Beter aber wegen solcher Gebrauche als „fanatische Bande" ZN bezeichnen, ist mehr als taktlos. w. — „Die neue Welt", ein Blatt, das als illustrierte Unterhaltungsbeilage sozialdemokratischen Zeitungen u. a. auch allwöchentlich dem dort von vielen Arbeitern gelesenen Matte beigefügt ist, erscheint im Verlage von Auer & Co., Hamburg, und wird von der Firma Paul Singer & Co. in Berlin gedruckt. Diese Tatsache sowie die Person des verantwortlich zeichnenden Schriftleiters lassen nicht die Vermutung antisemitischer Einflüsse zu, sondern machen es wahrscheinlich, daß eine auf ziemlich niedriger Stufe ausgebaute Erzählung von Heinrich Neuenhagen „Als Zwischendecksteward nach Südamerika" nur versehentlich im Frühjahr 1916 veröffentlicht worden ist. Die sozialdemokratischen Schriftleiter haben sich bisher unseres Wissens im allgemeinen bemüht, den Arbeitern einen Lesestoff zu bieten, der von Religionshast frei ist. Es wird deshalb genügen, darauf aufmerksam zu machen, Vatz Schilderung an von Juden, wie sie Neuenhagen bietet, sehr geeignet sind, auf einen großen Teil des Leserkreises der „Neuen Welt" schädlich zu wirken. * — Die Thüringische tan-eszeitung in Gotha, mit der wir uns vor dem „Burgfrieden" wiederholt zu beschäftigen hatten, sah sich genötigt, ihren Betrieb einzustellen. * -— Künstliche Blumen. Der Inhaber eines Puhwarengeschästs in Köslin erhielt vor einiger Zeit von der Blumensabrik Robert Hill mann in Sebnitz ein Anaebot von künstlichen Blumen und bestellte darauf eine .Mustersendung, die ihn veranlaßte, die verlangten Preise als zu hoch zu bezeichnen und für den Falk der Ermäßigung sofortige Zahlung, andernfalls Rücksendung in Aussicht zu stellen. Darauf erfolgte mittels Postkarte ein Bescheid, in dem Aesagt war: „Sie wollen mein seit 72 Fahren bestehendes Geschäft nicht mit dem eines Schacher juden verwechseln. Schade, daß Sie mir nicht vorher Ihre Gesinnung kund taten". Der Besteller ist Jude und hat angenommen, daß der Sebnitzer Fabrikant dies gewußt und ihn deshalb habe kränken wollen. Von der von ihm erhobenen Beleidigungsklage ist aber der Beklagte deshalb freigesprochen worden, weil er in Abrede stellt^ gewußt zu haben, daß der Besteller ein Jude sei,, der den Kläger außerdem verletzende Schlußsatz aber auch so aufzufassen sei» daß der Angeklagte nur habe sagen wollen, er wurde mit dem Kläger nicht in Beziehungen getreten sein, wenn er die Bedingungen der Geschäftsverbind.ung vorher gekannt hatte. &