Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1916)
- Article
- Im Wartezimmer [Nachricht]
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 171 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Vererrrsrlachrichten. 171 vrtige 9vcbcit verbat, schrie er: „Aufnrantcln wollen. Sie sich auch noch? So, nun gehen Sie aber!" Der Kurdircktor von Bad Töl^, bei dem sich Herr Steinhardt wegen dieses Verhaltens des Dr. A. beschwerte, erklärte, dieser unterstehe nicht seiner Aufsicht, habe übrigens längere Zeit in Afrika gelebt nnd leide vielleicht am Tropenkoller. Sollte dies wirklich der Fall sein, dann wäre das Betreten seines Wartezimmers für jüdische Erholungsbedürftige nicht ungefährlich! * — Der IvirL 6er Chemnitzer AnLisemiLenkneipe „Deutsch017 Kriegs, Heinrich Emil Krug, ist von dem Königlichen Schöffengericht zu Chemnitz am 16. Juli d. % wegen öffentlicher Beleidigung des jüdischen Soldaten und Krankenpflegers Moritz Haase zu 20 Mark (Geldstrafe, int Anvermögenssalle zu 4 Tragen Gefängnis verurteilt worden. Er hat die Kosten des Verfahrens zu tragen und dem Nebenkläger die diesem erwachsenen Auslagen zu erstatten. Außerdem! wurde dem Beleidigten die Befugnis zugesprochen, das Arteil im Chemnitzer Tageblatt zu veröffentlichen. In der Urteilsbegründung wurde angeführt, daß der Beklagte zwar gesagt habe „wenn ein Jude ein Glas Bier von ibm verlangen sollte, würde er ihn mit dem: Knüppel auf den Kopf schlagen und alle Juden müßten im Mutterleib erschlagen werden"; er habe aber bestritten, solche Musterungen wiederholt zn haben, nachdem Haase sich als Juden zu erkennen gegeben hatte. Daß der Angeklagte jene Musterungen noch nachher wiederholt habe, hatten die Zeugen nicht zu bestätigen vermocht mit Ausnahme des Haase, auch dem Vorfall keinerlei Bedeutung zugemessen.!« — In einer Solöaterrlesehalle fand ein Mitglied unseres Vereins die antisemitische Spottschrift vor „Die Aasen", zwei Satiren von Fritz Grcgorovius, und erzielte, daß dieser durch die auf jbctrt Am sch lag befindlichen,,Fratzen" leicht erkennbare verhetzende Ladenhüter entfernt wurde. Da sofort Abhilfe zugesagt wurde, war es untunlich, weitere Schritte zu unternehmen. m Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte am 19. Februar über den in Paris lebenden Hermann Fernau» der Gedichte und SHmähartikel gegen Deutschland verfaßt hat, folgende Aotiz: „Fernau ist im Fahre 1883 in Breslau geboren. Er ist polnischer Jude, aber deutscher Aeichsangehöriger, lebt in Paris Ar. 159 Aue de la Convention, und zwar noch heute auf freiem Fuße, woraus hervorgeht, daß er im Dienste der französischen Propaganda steht." Wir haben zunächst festgestellt, daß Hermann Fernau nicht im Jahre 1883 in Breslau aeboren ist. Da es uns nicht recht verständlich war, wie ein deutscher RerchSangehoriger polnischer Jude sein kann und was die Hervorhebung der Religion zumal in der