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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 134

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
L. S., Berlin
Date
1916-05-01
Page
134 (sequence 1)
Language
German
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134 Im Deutschen Neich, Briefkasten. £. 5., Berlin. Wie bereits im vorigen Heft (S. 63) betont wurde, kann die Zahl der Juden, die während des jetzigen Krieges wegen Nahrungsmittelwuchers durch Aeberschreitung der Höchstpreise angeklagt waren, im Vergleich mit der Zahl der cm« geklagten andersgläubigen Händler nur gering sein, sonst wurden nicht Hobe kirchliche Würdenträger öffentlich darüber Klage geführt haben, vaß der Lebensmitrelwucher alle Schichten der Bevölkerung durchdringe. Sogar ans landwirtschaftlichen Kreisen sind der katholischen „Kölnischen Bolkszcitung" ähnliche Klagen über kleine Landwirte zngeganaen, die vielfach Fleischdauerwaren Herstellen, um übermäßig hohe Preise zu erzielen. Der antisemitische Abgeordnete vr. Werner Mußte in seiner Ncichstagsrede über den angeblichen jüdischen Wucher doch zugestehen» daß der Wucher« taumel die Landwirtschaft angesteckt hat; der deutsch-völkische Schriftleiter des „Bolkserzieh er s", Wilhelm Schwaner. erklärte: „Es ist unehrlich, wenn ein bekanntes Antisemitenblatt zwar die jüdischen Händler und betrügerischen Kriegslieferanten Nummer für Nummer namhaft macht, aber verschweigt, daß wiederholt Landräte ganze Bauernbezirke öffentlich tadeln mußten, weil sie zehntauseirde von Zentnern notwendigster Nahrungsmittel amtlich nicht angemeldet hatten, obgleich sie dazu verpflichtet waren. Ich habe es selbst erlebt, daß Boilern für den Zentner Kartoffeln das Bier- und Sechsfache forderten von dem, was sie vor dem Kriege dafür bekamen. Ist das nun etwas anderes, wenn der Bauer und der „deutsch-christliche" Händler 500 °/o Aufschlag verlangt, als wenn der jüdische Kriegslieferant ein gleiches tut'? Fast will es mir scheinen, als ob der Nahrungsmittelwucher noch bedenklicher sei als der mit Kleidern und Schuhzeug für die Armem" Damit sollen die einzelnen Iudeih, die sich durch Lebensmittelwucher oder Aeberteuerung bei Lieferungen strafbar gemacht haben, keineswegs entschuldigt werden. Weil „Stiefkinder" sich musterhafter verhalten müssen als Lieblinge, war ihre wenn auch nur vereinzelte Beteiligung an diesem Frevel geradezu unverzeihlich; zumal sie sich dadurch auch gegen jüdische Aeligionsgesehe und gegen ihre Glaubensgemeinschaft versüudigtcn» deren Gegner selbst einen Splitter im Auge des Nächsten nicht unbeachtet lassen. & M. &♦, Berlin. ' Ein in der Nr. 8 der Hutmacherzeitung vom 26. Februar d. I. erschienenes Inserat der Hutgroßhandlung Oscar Arnold, Berlin, Dresdner Str. 116, „Junger Mann (Christ) für Kontor und Lager geeignet, für 1. Marz oder 1. April gesucht", hatte uns veranlaßt» die Firma auf das Bedenkliche hrnzuweisen, in dieser Weise konfessionelle Momente in das Wirtschaftsleben hineinzutragen, statt die Anstellungsmöglichkeit jedem zu eröffnen, der die erforderlichen Fähigkeiten und Zeugnisse besitzt. Darauf erfolgte keine Antwort des Herrn Arnold, sondern Kur eines seiner Angestellten, aus der aber hervorging, daß die Geschastsleitung grundsätzlich keine Juden anstellt, trotzdem sich aber dagegen verwahrt, vorurteilsvolle Gesinnungen zu Kegen^ Daß es uns wenig darauf anLommt, ob Here Arnold

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