Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Inszenierung eines Blutmärchens
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 131 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 131 wurden verhaftet und das Haus polizeilich überwacht. Als nach zwei Tagen der Untersuchungsrichter und der Staatsanwaltsgehilfe nach Nowoselja kamen und den im Walde angegebenen Ort gründlich untersuchten, wurde im Schnee die Leiche des Kindes mit einem Strick um den hals gefunden. Der zur Untersuchung der Leiche aus Petersburg berufene, vom Beilisprozeß her berüchtigte Sachverständige Professor Kossorotow mußte feststellen, daß die Leiche keine Wunde aufweise, das Kind also den Erstickungstod erlitten habe. Die darauf verhaftete Semjonowa gestand im Gefängnis, sie habe selbst den Mord begangen, um ein reicheres Kind in Pflege zu nehmen, und habe die Schuld auf die Juden geschoben, um sich der Strafe zu entziehen. So gelang es, auch dieses Rituals znordmarchen auszudecken und unschädlich zu machen," ' Line russische Gsterxreöigt. Die „Frankfurter Zeitung^ berichtete am 4. Juni: „Pater Wostorgow, ein durch seine antisemitische Propaganda und durch nationalistische Umtriebe gegen die georgische Nationalkirche im Kaukasus berüchtigter Pope» predigte in der Osterwoche in der Basiliuskathedrale in Moskau über den angeblichen Ritualmord von Bjelostok, bei dem im Jahre 1690 ein Knabe Gawril von Juden umgebracht worden sein soll. Die Hetzpredigt hat in ganz Nußland Aufsehen gemacht, weil kurz darauf Pater Wostorgow zum Bischof ernannt und mit der Verwaltung der Diözese von Moskau wahrend der Abwesenheit des Metropoliten Makarij betraut wurde." * — Das bekannte russische Schreckmittel. Ein Mitarbeiter des „Fewish Lhronicle", der kürzlich mit dem Berichterstatter des „Rowoje Wremja", M. L. A. Egaroff zusammcntraf, machte diesen auf das Eintreten der englischen Juden für ihre Glaubensgenossen in Rußland aufmerksam, dessen Erfolg ein innigeres Verhältnis -zwischen beiden Staaten herbeiführen würde. Egaroff erwiderte: „Ich aebe z'u, daß durch eine Aenderung in der Lage der .russischen Juden das Bündnis gestärkt würde. Durch eine Agitation gegen Rußland werden Sie das nicht erreichen. Die?>altnng der englischen Juden kann für die Zürn nft jhrer Glaube ns genossen in Rußland sehr! ernste Folgen haben." Diese Drohung ist ein Schreckmittel, das pon Russischer Seite schon vielfach angewendet wurde unfeine Wirkung fast nie verfehlt hat. & --- Eine paffal}feiet int FeinöeslanS. Der seit mehreren Monaten beim Stabe der 10. Ersatz-Division tätige Rabbiner vr. Frttz Steinthal aus Charlottenvurg hat in dem ihm von der Behörde überlassenen Sißungssaal des Rathauses eine Passahfeier veranstaltet, welcher der Dwiswnsgenerat, begleitet von seinem Adjutanten