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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 130

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
[Ohne Titel]
Date
1916-05-01
Page
130 (sequence 1)
Language
German
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ISO S.m Deutschen Reichs Vermischtes. r— Die deutsche Verwaltung der früheren russisch-polnischen Gebiete schreitet in ihren organisatorischen Bestrebungen rüstig fort. Der „Grodnoer Zeitung" zufolge bilden die Ortschaften von Suwalki und Grodno .seit dem 1. Mai einen großen Verwaltungsbezirk mit dem Sitz der Regierungsbehörden in Wilna, von wo auä die sich dort aufhaltenden Flüchtlinge beständig in ihre Heinrat befördert werden. Die aus Grodno und Kowno stammenden Flüchtlinge sind dort schon wieder angelangt, zum Teil nach einaehoüer Erlaubnis auf eigene Kosten zurückgekehrt. Die Zöglinge des „Elchonon-Spektor-Waisenhauses", die seit dem Anfang des Krieges sich in Wilna befanden» wurden schon am 13. April von dem Feldrabbiner vr. S. Levi nach Kowno zurück ge führt, wo die j-dische Gemeinde diese für sie besonders wichtige Anstalt dauernd behalten soll. In Marschau und Lodz sind große Verbesserungen der sanitären Zustande ungebahnt, und dort wie auch in Wstna durch große Zufuhren von Tee, Buchweizen und Hirse die Nahrungsmittelverhältnisse verbessert worden. Warschau wird nach der an» gebahnten Eingemeindung der Vororte eine Bevölkerung von fast einer Million Seelen .Mlen, darunter über 350 000 Juden. — Inszenierung eines Vlutmärchens. Als die Zeit des Passahfestes herannahte, wurde auch in diesem Jahre kund, daß die russischen Judenfeinde die Absicht hatten, das um diese Zeit so oft für ihre entsetzlichen Zwecke nutzbar gemachte Vlutmärchen wieder aufzufrischen. Die Zeitung „Rjetsch" berichtete darüber am 26. Marz d. I. snach dem russischen Kalender am 13. Marz) folgeirdes: „Ein Dienstmädchen in Petersburg, Stepanida Ikatschewa, das ihr neun Monate altes Kind Kostja bei der Bauernfrau Semjonowa in Luga untergebracht hatte, erhielt plötzlich die Nachricht, daß ihr Kind schwer erkrankt sei, und reiste deshalb am 8. Februar nach Luga, suchte aber ihr Kind dort vergebens. Die Angaben der Bäuerin, das Kind sei gestorben und begraben, erwiesen sich als unwahr und nun erklärte die Semjonowa, sie habe das Kind dem in dem benachbarten Dorfe Nowoselja wohnhaften jüdischen Kaufmann Kopilow für 100 Rubel verkauft, aber nur 5 Rubel erhalten; denn als sie das übrige Geld habe holen wollen, sei das Kind schon tot gewesen. Die Frau des Juden habe das tote Kind in einen Teppich gehüllt und in ihrer Begleitung nach einem drei Werst vom Dorfe entfernten Wald getragen und dorr begraben^ Am 9. Februar erschien in Nowoselja ein Pristaw mit einem Polizeitrupp und den beiden Frauen Ikatschewa und Semjonowa und trafen dort auf dem Bahnhof den Kaufmann Kopilow, auf den die-Semjonowa losstürzte. Trotz seiner Beteuerungen, er sehe die Frau zum erstenmal und habe nie ein Kind zur Erziehung angenommen, wurde er verhaftet und nach dem Wald geführt, im dort an dem von der Semjonowa bezeichneten Ort die Leiche des Kindes auszugraben. Er weigerte sich aber, dies zu tun, habe nichts verborgen und nichts zu suchen. Die Untersuchung im Hause L^pilows hot keiner Anhaltspunkts Kopilow, und seine Frau

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