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Im deutschen Reich · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. 125

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Article
Professor Dr. Arnold Schröer an der Handelshochschule in Köln
Date
1916-05-01
Page
125 (sequence 1)
Language
German
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Korresporrdenzen. 135 Korrespondenzen. — kferr profcffcr Dr. Arnold Schröer an der Hanöelshochschule in Röln schreibt in einem Aufsatze in der „Kölnischen Leitung" über Kölner Vildungsfragen unter der Rubrik „Kirchen-. Schulen und öffentliche Vorlesungen" wie folgt: „Nehmen wir das Höchste im Kulturleben der Menschen, die Religion. Wie kleinmütig sind wir im Frieden über die Rolle, die die Kirchen bei uns gespielt, doch oft gewesen? -Die „Gebildeten", meinte man da oft» haben sie nicht nötig; für ,chas Volk" möge sie immerhin vielleicht nützlich oder notig sein, „das Volk", das sich keine selbständige Weltanschauung bilden kann. Vollends der ablehnende Standpunkt der Konfessionen untercincnrder, gegenseitige Geringschätzung oder Mißtrauen? Run im Ernstfälle, als es sich zergen mußte, ob das katholische oder protestantische Christentum noch Lebenskraft habe, ob das Judentum etwa praktisch eine aridere Moral mit sich brachte — nun, der Ernstfall hat bewiesen, daß das Christentum, ob katholisch oder protestantisch, ob dogmatisch orthodox oder liberal unsere deutschen Männer und Frauen sittlich doch so hoch über ihr eigenes kleines Selbst hinausgehoben hatte, ja» daß auch unsere jüdischen Mitbürger die gleiche deutsche Weltanschauung, und das heißt zugleich die deutsche Frömmigkeit» beseelt, hat» wie die andern, so daß, wenn die Braven aus dem Kriege heimgekehrt sein werden, die trennenden Gegensätze als nebensächlich erscheinen werden, der einzelne seine Sonderauffassung ungestört bei sich behalten und pflegen, aber die gemeinsame Gesinnung sich dadurch nicht stören lassen wird. Wir haben vor dem Kriege die Kraft religiösen Empfindens in unserm Volke sehr unterschätzt, weil wir zu sehr den Nachdruck auf Namen und Scblagworte legten, anstatt auf die langsam aber sicher wirkende sittlich erziehende Macht religiöser Erlebnisse, die im stillen tiefer greifen und mächtiger sind als Schlagwörtcr. Abstoßende Grausamkeiten und Roheiten, die man verleunrderischerweise unfern Soldaten an gedichtet hat, sind schon deshalb undenkbar» weil unser Volk im wahren Sinne des Wortes zu fromm ist. Gewiß sind wir nicht alle Engel, weder im Felde noch daheim, aber im entscheidenden Augenblick zeigt es sich doch meist, daß^ unser Volk unendlich viel tiefer empfinoet und danach handelt, also auch weit mehr innere Gebundenheit — Religion — besitzt, aus der seine sittlichen Kräfte wachsen, als man bislang geahnt hat. Möge nach dem Kriege eine weise Kirchenpolitik und wechselseitige pietätvolle Rücksicht der einen gegenüber der anderen dieje keusche Blume Nit zarten Händen behandeln," * — Aabbrncrverband in Deutschland. Am 9. und 10. Mai 1916 fand in Berlin eine Tagung des Rabbinerverbandes in Deutsch-, land statt, die außerordentlich zahlreich besucht war. Auch einige Feldrabbiner waren aus der Ferne herbeigeeilt. Der Vorsitzende, Professor Dr. Guttmann-Breslau, erstattete nach einer Begrüßungsansprache, .die in ein Hoch auf den Kaiser ausklang» den ausführlichen Geschäftsbericht, der rühmend die Erfolge der Feldseelsorge und ihre allseitige Anerkennung hervorhob. Rabbiner

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