Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Von den jüdischen Volksschulen in Polen
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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^Vermischtes'. 01 lebendig zu erhalten und Liebe zur jüdischen Vergangenheit den Kindern einzuprügen. Jüdische Eigenart uird bisherige Entwicklung des Judentums sind im Religionsunterricht zu berücksichtigen.. Die Grundwahrheiten der Religion, die wichtigsten jüdischen Religlonsquellen, jüdische Geschichte und jüdische Gebräuche sind mit den Kindern zu betrachten. Es sind zu lehren: Hebräisch, Bibel und nachbiblische Geschichte, Pflichtenlehre. Das Hebräische wird schon auf der Unterstufe unterrichtet. Die Kinder sollen so weit im Lesen geübt werden, daß sie leichte Stücke aus der Bibel, Gebete und Abschnitte daraus übersetzen können. Ruch die notwendigsten Kennt-' nisse der hebräischen Grammatik werden übermittelt. Die Kinder lernen auch hebräisch schreiben. Es wird bestimmt, welche Gebete die Kinder zunächst zu lernen, haben, wobei den religiösen Ge» brauchen zu Hause und dem öffentlichen Gottesdienst der Ostjuden Rechnung getragen wird. Die biblische Geschichte wird ebensschon auf der Unterstufe gelehrt. Die Kinder lernen zunächst in Einzelbildern, später — auf den oberen Stufen — im Zusammenhänge die Biblische Geschichte bis zur Rückkehr vom Babylonischen Exil, die Zeit des 2. Tempels, das Wichtigste aus der späteren Zeit des Judentums, möglichst bis zur Gegenwart. In der nachbiblischen Geschichte sind die Geistesheroen des Judentums zu berücksichtigen, z. B. Hillel, Rabbi Akiba, Maimonides u. a., wie auch das jüdische Märtyrertum des Mittelalters. — Diese Verordnung, die den Unterricht in den Volksschulen regelt, ist ein Beweis der Fürsorge, die die deutsche Zivitverwaltung den Volksschulen der eroberten Gebiete angedeihcn laßt. — Zu gunsten öer kriegsbeschä-igten Juden in Osteuropa und Palästina hat vor einigen Monaten in der riesig großen Carnegie- Halle in ' New Pork eine Versammlung stattgefunden, in der nach beredten Ansprachen jüdischer und christlicher Redner die massenhaften Besucher der Versammlung für die durch den Weltkrieg verarmten Juden in Rußland, Polen, Galizien, Serbien, Palästina und der Türkei zusammen über 1 Mill< Dollars 4 Will. M. stifteten. Zu dem Erfolg der durch einen Hilfsausschuß veranstalteten Versammlung hat u. a. eine Ansprache; des der Protest an tisch »episkopalen Kirche in New-Vork angehörigen Bischofs David H. Greer wesentlich beigetragen. Am Schlüsse seiner Rede erklärte er: „Es handelt sich hier um die Abtragung einer längst verfallenen Schuld der Kirche der jüdischen- Gesamtheit gegenüber. Wir müssen damit Verfolgungen und Grausamkeiten gutmachcn, die über die Juden verhängt wurden, obgleich die christliche Kirche sich zur allgemeinen Bruderliebe und Barmherzigkeit bekennt, weil Gott aller Vater ist. Ich sage, wir haben den Juden eine jener Menschenfreundlichkeits-Pflichten abzutragen, die der Stolz und die Ehre des amerikanischen Volkes sind, das nie fehlt, wo es gilt menschlicher Not abzuhelfen- Ware sie auch nur an ganz entfernten Stellen vorhanden. Im Namen der christlichen Kirche, der hortgeschrittenen Kultur und der amerikanischen Menschenfreund-