Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die Ansichtskarte "Grenzverkehr an der Dreikaiserreichsecke"
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 86 (sequence 1)
- Language
- German
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86 Im Deutschen Reichs — Die Ansichtskarte „Grenzverkehr an -er vreikaiserreichss rckc", die nach Mitteilungen ans dem Felde im vorigen Sommes massenhaft in den Garnisonen verkauft wurde, erregte bei jüdischen Soldaten <sroßes Aergernis, so daß wir die weitere Verbreitung de« eine Verhöhnung der Juden bewirkenden Karte zu verhindern suchten und diese Verhinderung erzielten. Der Verleger, Hernrann Lu» kowski in Breslau hat erklärt, die Platten dieser Karte vernichtet zu haben und ähnliche Karten nie wieder in den Handel zu bringen. Damit war die Sache für uns erledigt. Herr Hermann Lutowski. in Breslau hat aber in einem Schreiben vom 27 März d. I. seine Zusicherung noch mit den Worten wiederholt, „daß die von mir nicht in antisemitischer ^lbsicht in den Handel gebrachte Karte nie mehr gedruckt wird, da es mir daran gelegen ist» auch mit meiner werten Kundschaft jüdischen Glaubens in angenehmer Verbindung weiterhin zu verbleiben" & Aus -ein Kurort Schreiberhau ist wiederum eine Klaae ein» gelaufen, die hier nur deshalb wiedergegeben wird, um die jüdischen Besucher dieses Kurorts zu veranlassen, bei Bestellung von Quartieren stets ihre Konfession anzugeben, da Schreiberhau .den zweifelhaften Vorzug hat, zahlreiche tLogierhäuser z!w besitzen, die durch ihren streng konfessionellen Charakter nicht in der Lage sind, jüdischen Gästen Ausnahme zu gewähren. Kürzlich kam dort mit einem späten Abendzuge eine Familie S. aus Berlin an, deren Arzt sie bei dem Besitzer des Sanatoriums, Di*. Wilhelm, angcmeldet hatte. In Vertretung des zufällig verreisten Herrn Dr. Wilhelm geleitete dessen Hausdame die Gaste in das nahe gelegene Quartier des Fräulein M i l a Le m in e l, deren „Villa R o s e m a r i e “ durch eine Tafel als „christlich" bezeichnet ist. was in der Abendstunde leicht zu übersehen war. Nachdem die Familie sich bereits eingerichtet hatte, erklärte Frl. Lemmel, die inzwischen sich nach der Konfession erkundigt hatte, Israeliten nicht im Hause behalten zu können, so daß die Familie sich noch in spater Stunde ein arrderes Quartier suchen mußte. Dort erschien bald darauf Herr Drv Wilhelm, um über diese Kränkung sein Bedauern auszudrücken; die Familie reiste aber alsbald nach Ziegenhals weiter. Herr Dr. Wilhelm, der selbst von antisemitischen Vorurteilen völlig frei zu sein steint, und uns versichert- „seinen Einfluß auch auf sein Personal rn dieser Richtung auszudehnen?, schrieb uns» daß das Aussehen der Gaste die Hausdame in den Glauben versetzt habe, Christen zu führen und daß ähnliche Vorkommnisse nur bann sich nicht wiederholen könntenwenn bei Anmeldung für sein in der Bähe antisemitischer Pensionen gelegenes Sanatorium die jüdische Konfession stets angegeben würde. Wer sich diesem Verlangen des Herrn Dr. Wilhelm nicht fügen möchtewird deshalb? besser das Sanatorium dieses Arztes überhaupt meiden«