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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 85

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Kriegsopfer statt Kriegsgewinn
Date
1916-03-01
Page
85 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. C5 31t fktufc «cblicbcn ist, nicht ansteht, aus einem Geranien aus einem Gebiete geldlichen Vorteil ziehen zu Wolken, mit dem die Ernährung des Volkes zu eng verknüpft ist." In einer Zeit, in der die wichtigste Kindcrnv.prung, die Milch, 311 einem Teile infolge Futtermangels und Fntrcrteüerung eine beängstigende Knappheit aufweist^ und auch unsere Fleisch-Vorräte aus den gleichen und anderen Gründen unzureichend sind, wird die Allgemeinheit dem uneigennützigen Erfinder als einem Wohltäter des Volkes gewiss Dank zollen, * — Dadeutsche FlagacnUcd, dessen Tert „S;chz weht dir Flrggr schwarz-weiß-rot", von Richard Minderer, eineiu Juden, hrrrührt, ist, wie kürzlich von der „Tägl. Rundschau"' nachgcwiesew wrrrde, durch den Leiter des „American Theaters", den urkomischen V e nd i x, volkstümlich geworden. Das einem, von diesem Juden verfaßten Singspiel „Unsere Marine" eingeflochtene Lied trug wesentlich zu dem Erfolg der Ausführung bei, die im Jahre 1S85/SG allabendlich wiederholt werden konnte. Ucber den damals nicht geahnten großen patriotischen Erfolg des „Flaggenliedes" äußert sich die „Tägl. Rundschau": ,,Das Auftrittslied der Matrosen ist nichts anderes, als das später aus die ganze Marine übergegangene schwungvolle Flaggenlied, dessen flotte Weisen heute alle unsere blauen Iungens begeistcnr. Bekanntlich hat das hinreißende Sturmired, ein Volks- und S 0 Idaten,-, lied im besten Sinne des Wortes, seine Weihe erhalten, als die Mannschaften des dem Untergänge geweihten S. M. f&. „Iltis" angesichts des Todes dieses Lied noch über die Wogen schickten. Heute ist dem Licde die Ehre unbestr tun. das Lieblingslied der ganzen Marine geworden zu sein. Ob aber auch nur einer, wenn er voll Begeisterung das Lied hinaus schmettert, auch einmal des einfachen und bescheidenen Ursprungs gedacht hat?" — Vcrurt.iltc Denunzrantln. Der „Saarbrücker Zeitung* wurde am ki.März berichtet: Benjamin Haas, der seit 2.5 Jahren als jüdischer Schächter in Straß bürg i. E., amtiert und nebenher eine Gastwirtschaft betreibt, hatte sich aus geringen Ursachen, den Haß der 51 Jahre alten Aufwartefrau Karoline Bändel zugezogen. Die rachsüchtige Person erstattete am 8. Dezember v. I. bei der Kriminalpolizei die Anzeige, Haas sei deutschfeindlich gesinnt und habe in fünf Fällen dieser Gesinnung entsprechende Redensarten gebraucht. Die vom außerordentlichen Kriegsgericht daraufhin vorgenommenen Feststellungen ergaben aber die völlige Schuldlosigkeit des von jeher gut deutschgcsinntcn Gastwirts. Gegen Frau Bändel wurde nun Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben und vor dem c^chöffengericht verhandelt. Der Anklagevertreter beantragte über die Mindeststrafe hinausgehend zwei Monate Gefängnis, welchem Antrag das Gericht auch entsprach. Der Vorsitzende, Amtsgcrichtsrat Co ermann, betonte in der Begründung, daß mit aller Scharfe dem Denunziantentum begegnet werden müsse, das in dieser Kriegszeit so mancherlei schweres Unglück über einzelne Familien gebracht habe.

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