Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 36 (sequence 1)
- Language
- German
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Im Deutschen Beich. — Uon -er €cljvcinftalt f.'ir -re IvisfenfchafL -es Fu-eutrrins Werden auch in diesem Winter die in ihrer Aula, Artillerrestr. 14, abends 8 Ahr, stattfindenden Montags-Vorlesungen zum Besten ihres Stipendienfonds und der vom Kriege ^Betroffenen fortgesetzt, folgende Vorlesungen wurden angekündigt: 10 Jarniöt: Professor Dr. <£mtl ^Uilan: „Bibelabeud"; 24. Januar: Privatdozeni Dr. H a^rr y Torczyner- Wien.: „Der Ideengehalt der hebräischen Sprache"; 7. Februar: Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe: „Jüdische Sprache und Mundarten"; 21. Februar: Schriftsteller Georg Hermann: „Vorlesung aus eigenen Werken"; 6. März: Aabbiner Professor Dr. Salfeld- Mainz: „Welt und Haus der deutschen Juden im Mittelalter"; 13. Marz: Aniversitatsprofessor Dr. Ernst Cassirer: «Der deutsche Idealismus und das Staatsproblem." — Einlaßkarten für den ganzen Zyklus zu 5 M., für eine Vorlesung 1 M. £ Vermischtes. — XXihet bas Ostju-enxroblem hat sich der G o u v e r u c u r v. Puttkamer in einem Artikel, am 14. Januar im „Tag" veröffentlicht/ wie folgt geäußert: „Wenn man den Gedanken an eine etwa mögliche Wiederkehr der Russen, die ein jüdisches Masseugemetzel mit sich bringen würde, nicht ernstlich anffommeu läßt, hört man doch vielfach die Ansicht, daß es den dortigen Juden unter der russischen Herrschaft gerade in Polen wirtschaftlich eigentlich besser gegangchr sei, als jetzt. Zn vielen Gegenden des Landes scheinen die Zustände allerdings entsetzlich zu sein, insbesondere Verpflegung und Htzgiene nahezu alles zu wünschen übrig zu lassen. In einzelnen Gegenden ist, die Kindersterblichkeit utt* geheuer — Kinder unter fünf Jahren sieht man kaum noch. Zwar fehlt es nicht an einem Hilfskomitee in Warschau, dem bis jetzt etwa! 11 Millionen Rubel zur Linderung der schlimmsten Rot zur Verfügung standen, die unter Aufsicht des Erzbischofs von Warschau zur Verteilung gelangt sind. Obwohl aber etwa 2% Millionen dieses Betrages voll jüdischer Seite aufgebracht wurden, befindet sichtdu Jude im Komitee, und nur 150 000 Rubel sind den. Inden für Hilsszwecke übergeben worden, was kaum zu rechtfertigen ist in Anbetracht des Umstandes^ daß 15 v. H. der Gesamtbevölkerung Polens Juden sind. Das Schlimmste) ist die Unsicherheit der Lage im allgemeinen. Dies würde sich bessern, wenn die Regierung schon mit einem festen Programm für die Zukunft auftreten könnte, das mag jedoch aus politischen Grüirden noch nicht möglich sein. Wie die Dinge liegen, haben die Juden Furcht, vor den Polen nnd noch kein rechtes Vertrauen zur deutschen Regierung. Um Vertrauen herzustellen, gibt es nur einen Weg, den unmittelbaren. Verkehr mit dem Volke durch Anstellung von Vertrauensmännern auch in der Provinz und auf dem Lande zu erleichtern, keine Eingeborenen, sondern reichsdeutsche Juden von.zuverlässiger Gesinnung, die gute Beziehungen im Lande haben nnd die Bedürfnisse und den Charakter der . Leute kennen. Auf. dieftrw Wege wird cs gelingen, einerseits die, Scheu vor der Behörde zu überwinden, andererseits das zudringliche Ueberlaufen der vielgeplagten Beamten mit kleinen Anfragen zu verhüten und somit menschenwürdige Zustände wenigstens anzugötnqt/i 8