Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 32 (sequence 1)
- Language
- German
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32 Im Deutschen Reich.« Unser Bestreben^ den Anfug zu verminbent, daß zuweilen sogar jüdische Bortragende, des Verfalls gewisser Elemente wegen, nt manchen Kabaretts Taktlosigkeiten Vorbringen, wird jetzt erfreulicherweise aus den Kreisen der Vortragskünstler selbst unterstützt. Die Wiener Fachzeitschrift „Das Organ der Varietöwelt" veröffentlichte kürzlich einen Artikel von Bernhard Leuner mit der Aeberschrift: „Was man nicht singen und sagen soll." Es heißt darin: „So wenig jemand so geschmacklos sein wird, „katholische oder evangelische" Witze zu bringen, darf er so geschmacklos sein, das Gefühl der Rüden verletzende jüdische Witze zu bringen. Der Jude darf sich eine Verspottung seiner Tapferkeit verbitten, nachdem allein schon in diesem Kriege 5000 deutsche Juden das Eiserne Kreuz erhalten haben; er braucht sich keine Anspielung auf Schmutzigkeit gefallet! zu lassen, da seine Religionsschriften schon Sauberkeit fordern, auch keine Anzweifelung seiner finanziellen Vaterlandsliebe, da Juden in hervorragender Weise an allen Sammlungen beteiligt sind. Man muß fortan von jedem anständigen Vortragskünstter fordern, daß er jüdische Witze ganz unterläßt oder nur noch bringt, wenn ihr Inhalt nicht den Juden zu Spoitt und Anehre gereicht. Ob man im Witz von polnischen oder galizischen oder allgemein von Juden spricht, ist gleich, denw die Tragik der polnischen Juden verbietet jeden Witz, galizische Juden aber haben als Landstürmer mit derselben Tapferkeit gekämpft wie die jungen Honveds. Jüdische Humoristen, die bisher im Genre der jüdischen .Witze „machten", müssen vo-r allem jetzt nmlernen." * — Lin Hofkonöitor in Darmstaöt. Als am 9. Dezember V. I. <jk Ehefrau des Kaufmanns 2 ... . . "sich bei Herkn Hofkonditvr OLL in Darmstadt, Steinstraße 2, einfand, um sich eine im „Darm-' städter Tageblatt" angezeigte Wohnung anzusehen, wurde sie von Herrn Ott mit der Bemerkung abgewiesen, er vermiete nicht an Juden. Auf eine von uns an ihn gerichtete Anfrage, ob diese Mitteilung durchaus zutreffend und der Ausdruck seiner Gesinnung den Juden gegenüber sei, haben wir keine Antwort erhalten. Es bedurfte deren nicht, denn bald wurde uns bekannt, daß Herr 8 . . selbst auf eine ähnliche Anfrage von dem Hofkonditor nachstehende Antwort erhalten hatte: - „Daß ich Ihrer Frau sagte, ich vermiete meine Wohnung nicht an Juden, kann Sie doch nicht beleidigen, denn Sie sind doch Jude. Umgekehrten Falles können Sie zu mir sckgen: Ich vermiete meine Wohnung an keinen Christen, denn ich bin doch ein Christ. Das macht doch ein Jeder, wie er will. Ich brauche doch nicht jeden in mein Haus anfzunehmen des Geldes wegen. Ich suche mir meine Hauseinwohner aus. Ich finde es sehr anmaßend von Ihnen, daß Sie mir unterm 9. Dezember so einen Brief schreiben." MC Korrespondenzen. — Den Nobelpreis der Chemie hat in diesem Jahre die Akademie der Wissenschaften in Stockholm dem Professor Dr. R. W il l stä tter in Berlin-Dahlem für seine Untersuchungen der Farbstoffe im. Pflanzenreich verliehen. Der Geh. Ncgicrungsrat Professor vr. Millstätter, ein hervorragender Schüler Adolf v. Bayers, wirkte in letztes