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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 31

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Das amtliche Vereinsblatt der Müllerei-Berufsgenossenschaft "Die Mühle"
Date
1916-01-01
Page
31 (sequence 2)
Language
German
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Vereinsnachrichlen. 31 „Mit der Bitte um Veröffentlichung schreibt uns der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: In der V-Iv. 42 Ihrer Zeitschrist führt der Mühlcndesitzer Forche Klagen darüber, daß der Kreis Habelschwerdt das gesamte Ge» trcjde jüdischen harrdlern ans anderen Kreisen zum Einkauf übergeben habe. 'Ans diesem Grunde stehe seine Mühle still und es ruhe das ganze Getreidegeschäft. Es sei ihm infolgedessen auch gänzlich unmöglich, die Zinsen und Steuern auszudringen. Äkach den von uns eingeholten sorgfältigen Erkurwugungen liegen hier'die Verhältnisse folgendermaßen: 1. Der Kreis habelschwerdt ist kein selbständig wirtschaftender Bezirk, sondern an die R.-G. angeschlossen, d. h. er hat alles Gbtrerde an dis R.-G. abgegeben und wird für seinen Gebrauch von dieser versorgt. 2. Die R.-G. wandte sich an den Landrat des Kreises wegen Empfehlung eines geeigneten Einkaussoermittlers, und es wurde das Getreidegeschäft Wagner in Frankenstcin empfohlen und von der R.-G. zum Vermittler (Kommissionär) ernannt. Der Inhaber des Geschäfts ist Jude und nicht im Kreise Habel« schwerdl ansässig. 3. Die Firnra Wagner ist verpflichtet, die im Kreise Habelschwerdt ansässigen Händler zu beschäftigen, soweit dagegen keine wichtigen Bedenken bestehen. Es werden auch acht im Kreise Habelschwerdt ansässige Händler beschäftigt. Forche ist mit Zustimmung des Landrats als Unterhändler ausgeschlossen worden. Wir bemerken noch: Es gibt unseres Wissens besonders im Osten viele Kreise, in denen sich gar kerne anderen Zwischenhändler, außer den jüdischen, befftlden, was sich lediglich aus der Tatsache erklärt» daß die jüdischen Händler jetzt ebenso wje im Frieden von den Besitzern oder Erzeugern der landwirtschaftlichen Erzeugnisse berücksichtigt und anderen als sachverständig vorgezogen werden. Es gibt aber auch andererseits viele Kreise, namentlich in Schleswig-Holstein, in denen sich kaum jüdische Händler suchen und in denen sie kaum Berücksichtigung gefunden haben/ Durch die Veröffentlichung unserer Berichtigung erachten wir die Angelegenheit für von der Bedäktion der „Mühl«" in zufriedenstellender Meise erledigt. — Cabarets. Von zahlreichen Mitgliedern unseres Vereins sind uns wiederholt Beschwerden über antisemitische Vorträge zugegangen, die im M e t r o p o l -P a l a st - B i er^C ab a r e { jüdische Besucher gerade in der jetzigen Kriegszeit verletzen müssen, insbesondere, wenn) der Vortragende selbst Jude ist. So hat der jüdische Komiker, Herr Bosch, keilt Bedenken getragen, nicht das lächerliche Wesen allgemeiner Emporkömmlinge, sondern nur das einzelner Eurporkömmlinge jüdischen Glaubens, zu verspotten, um Beifall zu erringen. Der „Humors Herr Köttner, erstrebt das Gleiche durch den Vortrag eines Witzes, der darin besteht, daß ein Levy seinem Freunde Cohn erzählt, sein Sohn rücke erst aus, wenn er an die Front komme. Der Lachersolg, der durch solche und andere ähnliche Vorträge erzielt wird, Must bei dem Gedanken an die Tausende jüdischer SoDaten, die auf dem Felde der Ehre gefckllen oder verwundet und mit Kriegsauszeichnungen geschmückt in die Heimat zurückgekehrt sind, jüdischen Anwesenden die Schamröte ins Gesicht treiben. Wir haben die Direktion des Metropvl- Palast-BieoEabarets darauf aufmerksam gemacht, ohne daß darauf etwas erfolgt ist. *

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