Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
Die Bedeutung der Juden für Russland
Date
1915-10-01
Page
235 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316856--25825-2350256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vermischtes 235 — Die ^ebcutung der Juden für AuUanH. Nachdem der russische Finanzminister Bark bei seiner Anwesenheit in London vergeblich versucht hatte, Rothschild für eine große englische Anleihe zu gewinnen, machte er noch den Versuch, andere jüdische Finanzgrößen durch vielversprechende Erklärungen anzulocken, die er dem Vorsitzenden des englischen „Vereins zur Befreiung der russischen Juden", Appleton, abgegeben hat. Die Erklärungen lauteten: „Zweifellos haben die Juden Ursache zu Klagen, und die russische Regierung ist auch dringend aufgefordert worden, Gesetze einzurichten, um den Juden weitere Rechte zu verleihen. In Anbetracht des Umstandes jedoch, daß derlei Gesetze falsch aufgefaßt werden könnten und unnötige Feindschaft erwecken würden, erscheint es dev -russischen Regierung weiser, die Lage der Juden in eigener Hand zu nehmen und ihnen Freiheiten sowie Privilegien; auf administrativem Wege Zu verleihen, in der Hoffnung, daß ihre Handlungsweise bereits bis zur Beendigung des Kriegeis Früchte getragen haben wird. Es ist bereits den Juden an verschiedenen Stellen erlaubt worden, ansässig zu werden und mit der übrigen Bevölkerung Zusammenzuleben. Allerdings sind noch verschiedene Distrikte den Juden verschlossen, besonders diejenigen, wo Kosaken wohnen, jedoch geschieht dies nur Zugunsten der Juden selbst. Rußland braucht Kapital zrnd Unternehmungsgeist: ,es weiß, daß die Juden beides liefern können. Wenn die liberalen Juden ihre Unterstützung leihen, würde das neue Rußland glücklicher und stärker, als es unter dem alten Regime gewesen ist. Die rusfisch-e Regierung wird sich ihrer Pflichten bewußt sein, und die Tatsache, daß sich Rußland mit dem republikanischen Frankreich und dem demokratischen England zusammen getan hat, um für Freiheit und höhere Zivilisation zu kämpfen, ist der Beweis seiner löblichen Absichten und kann denjenigen, deren Herzen noch immer sorgenvoll sind, als Ermutigung dienen." Bark bat Appleton, von diesen Erklärungen beliebigen Gebrauch zu Machen, natürlich bei der Finanzwelt, die aber auf Freiheiten, die im Verwaltungswege gegeben und auf demselben Wege zurückgenommen werden können, keinen Wert legt. Die wünschenswerte Erläuterung hat der russische Minister des Innern, Chostow, inzwischen den Vertretern der großen Petersburger und Moskauer Blätter erteilt, indem er sagt, er halte die Erweiterung der Judenrechte zwar für notwendig, aber die Ueberlegenheit der Juden über die russischen Bauern schließe für sie das Recht auf Landbesitz aus. Ein derartiges Zugeständnis könne höchst schicksalsschwere Folgen für die Zukunft der russischen Landbevölkerung haben.- Er werde keine Maßnahmen herbeiführen, die den russischen Juden das Leben zur Bedrängnis machen könnten. Daß mit dem Odessaer Finanzmann Weinstein der erste Jude in den russischen Reichsrat: einzieht, ist eines jener Zugeständnisse, die nahezu bedeutungslos sind. Seine Klagen werden ebenso verhallen, wie die des Duma-Abgeordneten Friedmann, daß die das Los der jüdischen Arbeiter mildernden Erlasse des Ministers Chostow für die dem Generalstabe unterstellten Provinzen nicht maßgebend seien und auch in anderen; Orten nicht befolgt würden. ü — Die Juden in Polen. Eine der größten jüdischen Zeitungen Amerikas ,Me Wahrheit berichtet in der Ausgabe vom W. August

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.