Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
D. M., Berlin
Date
1915-10-01
Page
232 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316856--25805-2350253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Fm deutschen Neich. 232 tan, sich einen »Grafen- oder Freiherrntitel beizulegen, da Schwindler unter dem Deckmantel adliger Namen ihr .Spiel mitunter recht lange treiben können." * S. Beulin. Was Egon Freiherr v. Kapher»r in seinem Artikel „Deutsches Weidwerk und Jagdgesellschaft" über den Verfall der Blütezeit der deutschen Jägerei sagt, enthalt so manches Wahre, daß die eingeflochtenen gehässigen und widersinnigen Ausfälle gegen die verschwindend kleine Zahl „jüdischer Nimrode" den Eindruck machen, als wären sie nur nachträglich hineingeflickt, um den Aufsatz mit der antisemitischen Tendenz der „Deutschen Tageszeitung", in deren Unterhaltungsbeilage vom 19. Juli er veröffentlicht wurde, irgendwie in Einklang zu bringen. Vielleicht sollten sie auch nur dem Zweck dienen, die Aufmerksamkeit von der scharfen Kritik der Hofjagden, bei denen trotz peinlich beachteten „deutschen Iägerbrauches und deutscher Iägerwürde" alles „undeutsch" sei, etwas abzulenken. Was eigentlich gemeint ist, geht trotzdem deutlich genug aus den Worten hervor: „Der Geldmacher Luts den hohen Herren nach: Jagd baronisiert ipso facto. Jener Abkömmling Aarons und Fsaschars halt die Fahne des Nekords hoch. Durch die Jagd bekommt man mit Kreisen Fühlung, mit denen man sonst nie und nimmer in Fühlung gekommen wäre. Viel Wild, große Strecke. „Wie auf einer Hofjagd" solls heißen." <§. G., Berlin. Der in der Nr. 8 der „Akademi sich en Blätter" vom 16. Juli enthaltene Leitartikel „Die Lage des Deutschtums in Galizien" verbreitet sich in der Hauptsache über den angeblichen Segen der deutschen Naiffeisenkassen. Der Verfasser gibt aber selbst zu, daß Galizien trotzdem noch für Geld-, Boden- und Warenwucher das gelobte Land sei. In einer Fußnote sagt er: „Einen Bericht über das Leben und Treiben der Juden in Galizien zu geben, muß ich mir versagen. Das kann wohl nur ein langjähriger, genauer Beobachter." Trotzdem behauptet er in dem Artikel selbst flottweg: „In wirtschaftlicher Beziehung beginnt der Deutsche sich mit Hilfe seiner Naiffeisenkassen aus den jüdischen Wucherhänden zu lösen." Er gesteht zu: „Politisch gehen in den polnischen Gemeinden Deutsche und Juden öfters zusammen." In der Fußnote wird aber gesagt: „In diesem Lande wird selbst der begeistertste Philosemit lernen, daß die Juden ein uns Deutschen völlig fremdes Volk sind und daß die Iudenfrage mit ein paar AssimilaLionsphrasen nicht gelöst wird." — Durch ant.rf.lemitische Phrasen wird sie ^gewiß nicht g-elöst. Für das „Treiben der Juden in Galizien" möchte der Verfasser, ein A. H. Erlängen, jetziger Vikar zu SLanislau in Galizien, offenbar die Gesamtheit der Juden verantwortlich machen, obgleich das Wort eine Liefe Wahrheit enthält: „Jedes Land hat die Juden, die es verdient." Genaue Beobachter sollen sogar der Ansicht sein, daß sie auch in Galizien besser sind, als ihre galiz'scheu Feinde es verdienen, und daß die nach anderen Ländern verzogenen galizischen Juden, mindestens zu einem ansehnlichen Teile, eine nicht geringe AssimilaLionsfähigkeiL für westeuropäische Kultur beweisen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.