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Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 226

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
Heinrich Pudors vertrauliche Briefe an Gesinnungsfreunde
Date
1915-10-01
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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226 Fm deutschen Reich. hat mit Beschlag belegen lassen. .Das stellvertretende Generalkommando Hai im übrigen unter Strafandrohung angeordnet, daß Or. Pudor von jetzt an seine sämtlichen schriftstellerischen Arbeiten vor der Veröffentlichung bzw. Versendung dem Polizei» amt Leipzig zur Vorzensur einzureichen hat." — Antisemitismus in den Schulen. Nach dem bekannten Kaiserwort und dem von so vielen Seiten geleisteten Versprechen, während der Kriegszeit den Burgfrieden zu wahren, sollte sich kein Fugenderzieher im Unterricht Aeußerungen zuschulden kommen lassen, die geeignet sind, das Gift der Verhetzung der Glaubensgemeinschaften bereits in die jugendlichen Gemüter zu legen. In einem braunschweigischen Realgymnasium hatte aber, wie uns von glaubwürdiger Seite berichtet wurde, ein Professor in der Obertertia beim Religionsunterricht geäußert: „Die Katholiken nenne ich alle Ketzer und die Juden (hierbei schlug et einen mauschelnden Ton an) heißen entweder Abraham, Isaak oder Levy. Die gehen nur nach der Zeitung, bringen mehrstellige Zahlen hin und lassen sich möglichst dick drucken." Die Herzogliche Oberschulkommission, die davon in Kenntnis gefetzt wurde, hat uns darauf mitgeteilt: „Die angestellte Untersuchung hat ergeben, daß die dem Professor . zur Last gelegten Aeußerungen, wenn auch nicht in dem Zusammenhänge und in der angeführten Schärfe, gefallen sind. Wir haben dem Professor . unsere Mißbilligung des Hineintragens solcher Dinge in den Religionsunterricht ausgesprochen und ihn ernstlich ermahnt, derartige Aeußerungen in Zukunft zu unterlassen." — Antisemitische Postkarten. Im Verlage von Prerß 8c Kaßler in Berlin, Boxhagener Str. 13, erschien eine Ansichtskarte, die infolge der Gegenüberstellung eines polnischen Inden und einer Laus, sowie der Bezeichnung des polnischen Juden als ^homo profitus" un§ geeignet schien, bei allen jüdischen Beschauern Aergernis und unter den polnischen Juden der besetzten Gebietsteile eine schädliche Erregung hervorzurufen. Wir haben dem Oberkommando in den Marken eine solche aufreizende Karte zrnterbreitet und darauf nachstehenden Bescheid erhalten: Berlin W 10, den 30. Sept. 1915. Die hrer wieder beigefügte Karte ist verboten. Die bei dem Herausgeber noch vorhandenen Exemplare sind beschlagnahmt. Von seiten des Oberkommandos. Der Chef des Stabes, gez. v. Berge. — Burgfrieden. In einer Versammlung des Deutschen Wehrvereins versuchte vor einigen Wochen Herr von Bodelschwingh an der Hand einer Nummer des „Hammer" nachzuweisen, daß der Weltkrieg von den Juden gemacht sei. Diese widersinnigen und zweifellos gegen die Satzungen des Deutschen Wehrvereins verstoßenden Aeußerungen ließ der Vorsitzende, Herr von Strantz, schweigend zu; ebenso rügte er nicht einen Zwischenruf aus der Versammlung: „And diese Leute wollen Reserveoffiziere werden." Dies hat in weiten Kreisen, und nicht nur bei Juden, einen sehr unliebsamen Eindruck erregt. Wir haben uns deshalb veranlaßt gesehen, den Gesamtvorstand des Wehrvereins zu ersuchen, zu der 'Sache Stellung zu nehmen. Bald nach dem Abgang unserer Eingabe wurde in der „Jüdischen Presse" ein an

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