Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Deutscher Militarismus
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 189 (sequence 1)
- Language
- German
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Vermischtes. 189 — Deutscher: LMIitarisrnus. Die vielfach besprochenen. Aeußerungen des Professors Larsen in Kopenhagen haben Herrn vr. Paul Rieger dazu angeregt, in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" daran zu erinnern, daß., schon vor etwa dreißig Jahren ein vrelfach verdientes Mitglied unseres Hamburger Gruppenvor -- st a n d e s , Herr Gustav Luch, eine Schrift veröffentlicht hat, in der eine Bolkserziehung auf Grund des verallgemeinerten Militarismus in großzügiger Weise erörtert wurde. In demselben Sinnein dem vorher General von Botzen in seinem Werke „Die allgemeine Heerordnung" den strengen 'Pflichtbegriff als den Kern des deutschen Wesens hinstellte, hat Gustav Luch nachzuweisen gesucht, daß Deutschland seinem Heere nicht nur die Wehrhaftigkeit, sondern auch in erziehlicher Hinsicht viel verdanke. Wir verweisen auf sein 1886 in Leipzig unter dem Titel „D er erwartete deutsche Militär staat in seiner sozialen Bedeutung" erschienenes Buch in der Ueberzeugung, daß die Ausführungen des 1909 in Hamburg verstorbenen jüdischen Schriftstellers Gustav Luch ihre vaterländische und volkswirtschaftliche Bedeutung seitdem nicht verloren haben, sondern daß diese Schrift gerade jetzt wieder der Beachtung warm empfohlen werden kann. Wir führen aus der Arbeit nur die folgenden Sätze an: „Die Auffassung von der Anentbehrlichkeit des Heeres für die Erziehung unseres Volkes ist noch nicht in unser Bewußtsein übergegangen. Erst wenn alle Teile des Volkes sich die Erkenntnis von dieser unendlichen Bedeutung der Dienstpflicht für den StLat und seine einzelnen Untertanen» angeeignet haben, wird der Segen des Militarismus vollauf begriffen werden. Was die spartanische Zucht einst geleistet: die Erweckung des Ehrgefühls, die Abhärtung des Körvers, die Steigerung der Tatkraft, die Stählung des natürlichen Denkens, das muß für das deutsche Volk durch eine alle Teile des Volkes einschließende militärische Durchbildung erzielt werden. Die ausnahmslose Dienstpflicht nähert alle Teile der Bevölkerung einander und wirkt so als der beste Ausgleich aller Standes- And Klassenunterschiede. Sie steigert das Verständnis sür die vaterländischen Pflichten in jedem einzelnen." — Das Schlachten und die Beurteilung öes Fleisches. Unter dieser Aeberschrift ist im Heft 3 des Jahrganges 1915 der von der Gesellschaft der Naturfreunde „Kosmos" herausgegebenen Monatsschrift (Franksche Verlagshandlung in Stuttgart) ein Aufsatz von H. Holt er buch veröffentlicht, der nicht nur für das Fleischergewerbe und für die in den Markthallen einkaufenden Hausfrauen von wesentlichem Interesse ist, sondern auch zu der Erwägung anregt, ob nicht die frühere Annahme vieler Wissenschaftler und Praktiker, die beste Ausölutung bei Tötung der Schlachttiere erfolge ohne vorausgegangene Betäubung, aus gesundheitlichen Gründen doch viel für sich habe. Holterbach betont insbesondere, daß der Genuß nicht ausgebluteten Fleisches deshalb vorgezogen werde, weil der Blutgehalt dem Fleischeinen etwas höheren Nährwert verleihe, aber daß dabei die Tatsache nicht iin Betracht gezogen werde, daß solches Fleisch rasch in Fäulnis übergehe und eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit annehmen könne. Die sehr eingehenden fachmännischen Erörterungen verdienen jedenfalls Beachtung der Sachverständigen, die sich hoffentlich nicht dadurch beirren lassen werden, daß hier ein Fachmann, nicht etwa aus parteilichen Gründen, sondern offenbar, sicher ohne die Vorschriften der jüdischen rituellen SchlachLmethode zu kennen, durch Erfahrungen Zu Schlüssen gelangt ift,; die sehr geeignet sind, die Gegner des Schacht ens" nachdenklich zu machen.