Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Freie Liebe und wahre Ehe
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1ÖU Im deutschen Reich. von einem Feldgeistlichen in den Lazaretten des 7. Armeekorps verteilten kleinen 'Schrift, von der uns ein Exemplar in die HKade fiel, stehen gleich auf der ersten Seite nachstehende Sätze: „So weit möchten die polygamischen Instinkte der Juden und Indenfreunde '(Piquart stammt auch aus dem Hause Wanasse!) es am liebsten auch bei uns bringen. Darin liegt ein Vorstoß des Antichristentums: man weiß in jenem Lager sehr wohl, daß ein Hauptpfeiler des christlichen Volkslebens die Heiligkeit der Ehe ist." Da von den meisten Feldgeistlichen die konfessionelle Eintracht gepredigt wird, ließ sich annehmen, daß dieser mit der geschichtlichen Wahrheit im Schroffsten Widerspruch stehende Inhalt der für die Juden tief verletzenden Schrift dem Verteiler in den Lazaretten nicht bekannt war. Wir glaubten aber der konfessionellen Eintracht im Felde dadurch zu dienen, daß wir an den K r i e g s m i n i st e r die Bitte richteten, zu veranlassen, daß die Verbreitung dieses verletzenden Vortrages in den Lazaretten des 7. Armeekorps verhindert werde. Von dem stellvertretenden Generalkommando des 7. Armeekorps in Münster erhielten wir darauf folgenden Bescheid: „Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 7. Juni 1915 Nr. 2022 keilt das Generalkommando mit, daß das an das Königliche Kriegsministerium gerichtete Schreiben vom 14. April 1915 hierher abgegeben worden ist. Darauf ist folgende Verfügung erlassen worden: Die Verteilung des im Druck erschienenen Vortrages des Herrn S. Keller „Freie Liebe und wahre Ehe" in den Lazaretten wird im Interesse des kameradschaftlichen Zusammenhaltens der Heeresangehörigen aller Konfessionen im Bereich des 7. Armeekorps verboten. Von seiten des Generalkommandos f. d. Chef des Stabes gez. v. Tannenberg, Hauptmann." — Svreeverlag G. m. b. H. Von zahlreichen Mitgliedern wurde uns mitgeteilt, daß der „Spreeverlag" als Verleger der „Staatsbürger-Zeitung" in ungezählten Exemplaren, hauptsächlich an Offiziere, ein Rundschreiben versende, das wiederum die schwersten Anwürfe gegen die Juden in ihrer Gesamtheit enthält, daneben aber auch Achtungsverletzungen gegen die Behörden. Es wird wörtlich in dem Rundschreiben von einer „unerträglichen Drangsalierung des Blattes", einem „neuen behördlichen I u d e n k u r s" und dem „T error d e r V e r - liner Zensur für die nichtjüdischen Zeitungen" gesprochen. Außerdem wird schon jetzt für die Zeit nach dem Kriege der Boykott gegen die jüdische Geschäftswelt angekündigt und zum Kampfe gegen die Juden in ihrer Gesamtheit ausgefordert. Abgesehen davon, daß das Rundschreiben gegen die Strafgesetze verstoßt, ist es durchaus geeignet, den Burgfrieden zu stören und, da es auch ins ^eld »gesandt wurde, die Einmütigkeit der Heeresangchörigen zu gefährden. Wir haben deshalb diese Angelegenheit dem Königlichen Oberkommando in d en Marken mit der Bitte unterbreitet, den weiteren Versand dieser Druckschrift zu verhindern und hie noch vorhandenen Exemplare zu beschlagnahmen. — Deutsches Lkrist-Vekenutnis. Ende Mai wurde auf dem Bahnhof in Düsseldorf ein Gedicht massenhaft verteilt, welches obige Reberschrist trägt und von der Deutsch-völkischen