Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Die halleschen Juden im Mittelalter [Rezension]
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 140 (sequence 1)
- Language
- German
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140 Im deutschen Reich. Bücherschau. Die hallescheir 2uöen im Mittelalter. Von S. Neufeld, Berlin. Mlbswerlag d. Vf. 1915. 8". 102 S. Wahrend wir Mer die Juden gemeinden in den größeren Städten der Provinz Sachsen besondere Arbeiten besitzen, fehlte eine solche Mer die halleschen Juden. Man war, wollte man über ihre Verhältnisse Näheres wissen, auf ein zeitraubendes Studium derEhroniken von Halle angewiesen, oder man mußte sich mit spärlichen Tatsachen begnügen, die irr kleinen Artikeln wissenschaftlicher Zeitschriften zusammengetragen waren. Nun hat Neufeld in seiner Dissertation das /gesamte Material zusammengestellt. Er stellt zunächst gegenüber pielen irrigen Ansichten die Zeit fest, seit der Juden in Halle wohnen, rnifr gibt dann eine Geschichte der e r st e n ^iedelung, die Ham Ende des 15. Jahrhunderts unterging. Auch die Lage des Ghetto am heutigen Paradeplatz in der Nähe der Moritzburg wird bestimmt. Dann behandelt Neufeld die wirtschaftliche und rechtliche Lage der halteschen Juden und schließt mit der Darstellung des Gemeindelebens. In einem Anhang veröffentlicht er dann noch einige Iudenschntzbriefe ans der Copialbücherei des Kgl. Staatsarchivs zu Magdeburg. Die Geschichte der halleschrn Juden .im Mittelalter verläuft in ihren Hanptzügen wie in allen Städten Deutschlands: die Juden 'sirrd „Eigentum", das der: Besitzer vielfach wechselt. Nenfeld hat mit großem Fleiß die Quellen durchforscht und mit historischem Sinn die Ergebnisse zusammengestellt. A. Kahlberg. Die seelischen Wirkungen des Krieges. Von Geh. Medizinalrat, Aniv.-Prof. Vr. O. Binswanger in Jena. (12. Heft der Politischen Flugschriften, herausgegeben von Ernst Iäckh, Deutsche Verlangsanstalt, Stuttgart-Berlin). 1914. Die Tendenz dieser Schrift des berühmten Psychiaters drückt sich deutlich in den Worten ans: „Ich versuchte die große ideale, tiefgründige Gefühlswelt, die ich als Quelle aller nationalen Kraft betrachte, als „Nationalgesühl" zu kennzeichnen." Besonders bemerkenswert sind folgende Ausführungen, die -'sich gegen den N a s s c rti fa n a ti» m it s richten: „Es kann nirgends mehr in Europa von reinen Rassengemeinschasten gesprochen werden, denn auch der ferne slawische Osten birgt ein Nassengemisch von slawischen, tatarischen und türkischen Nassenbestandteilen. Das Natronalgefühl wird nicht durch die Nasse, sondern durch die K u lt u r ge m e i nschaft geschaffen und weiter entwickelt. Es wird auf dem Grunde gleicher, gemeinsamer Gefühle, Vorstellungen und Strebungen aufgebaut. Das Nationalgefühl ist die höchste sittliche Entwicklungsstufe des G e mei n s ch a f tsgefühls; es zwingt den einzelnen mit nnwiderftehlicher Gewalt, ohne lieber (egung, aus den innersten Tiefen seines Menschtnms heraus, sich' feiner Volksgemeinschaft nicht nur ein-, sondern unterzuordnen. Beim Nationalgesühl gilt der einzelne nichts, das Vaterland alles. Ihm müssen alle Opfer gebracht werden, die zu seinem Fortbestehen und seiner inneren Vervollkommnung notwendig sind. Also kein Nass e n ka m p f, Wohl aber ein Kampf um die nationalen Güter, um den Bestand des nationalen Staates!"