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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 135

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Freitag-Abend im Felde
Date
1915-05-01
Page
135 (sequence 2)
Language
German
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Vermischtes. 135 dienste im Felde beiwohnen zu können. Mit einem Glaubensgenossen aus meiner Truppe zusammen fuhr ich an jenem Freitag nachmittag zu dem für uns über 20 Kilometer entfernten Treffpunkt. Anterwegs nahm ich mehrere liebe alte Bekannte noch in unser Franzosenwägelchen, so daß schließlich erwartungsvoll Kavallerie, Artillerie und Train dem gemeinsamen Ziel entgegenfuhr. Dort fanden sich nach uns noch 40 bis 50 jüdische Soldaten ein. Fast alle Truppen waren vertreten: Infanteristen aus den Schützengräben, Artilleristen aus den Batterie-Stellungen, Jäger! zu Pferde lund zu Fuß, Dragoner, Fernsprecher, Flieger, Kraftfahrer, Angehörige der verschiedensten Train-Kolonnen u. a. m. In einer jener großen Höhlen, die sich in dieser Gegend so zahlreich vorfinden, fand der Gottesdienst statt. Eine rohgezimmerte Kiste, auf der zwei brennende Lichter standen, bildete Kanzel und Gebetpult zugleich für unseren Feldrabbiner Dr. Baeck - Be r l i n , der die Seelsorge der Juden in der I. Armee übernommen hat. Das „Mederländische Dankgebet", gemeinsam gesungen, leitete die Andacht ein. Der Vorlesung eines Psalms folgte die gedankenreiche, aus dem Geist dieser Tage herausgeborene Predigt. Von der Pflicht des Ausharrens und' der steten Begeisterung, wie von so vielem -anderen, das unser Denken jetzt bewegt, sprachen die Worte des Geistlichen. Dem Abendgebet folgte das — im Andenken an unsere gefallenen Glaubensgenossen doppelt ergreifende Kaddisch-Gebet, dem sich nach der Vorlesung zweier weiteren Psalmen das deutsche Gebet und der Segen 'anschlossen. Damit war die Andacht, die uns alle, fern der Heimat und im Geiste doch sonah den Anseren, wunderbar ergriffen hatte, zu Ende. Ein kurzes Beisammensein vereinte uns noch für eine Viertelstunde. Wir lernten in unserem Feldrabbiner' einen Wann von. strengster Pflichterfüllung kennen, der keine Mühe und Stunde scheut, für das religiöse Wohl der ihm Anvertrauten zu sorgen. Schon am Rachmittag des gleichen Tages hatte er weit entfernt, bei!einem anderen Korps, Gottesdienst abgehalten. Fm Etappenhauptort der Armee hat er fein Quartier ausgeschlagenaber es ist, wie er uns erzählte, schon vorgekommen, daß er zwanzig Rächte im Monat nicht dort war! Auch führt ihn sein Amt, wie beispielsweise in unsere Stellungen an der Aisne, mitunter in die allervorderste Gefechtslinie, zu der nur im Laufgraben noch der Zugang ist. Ans alle stimmte es froh, zu wissen und zu sehen, daß in der großen schweren Zeit auch für das Wohl der konfessionellen Minderheiten so umsichtig gesorgt ist. Mit dem Wunsche, uns zu einer Sederfeier im Etappenhauptort alle recht gesund und munter wiederzusehen, kehrten wir von diesem ''unvergeßlichen Abend heim. C a r l G o t t he l f t - C a s s e l, d. M, z, Zt. im Westem m — Vorurteilsfreie Anerkennung im Felde. Wenn es sich auch nicht empfiehlt, jetzt schon einzelne Heldentaten jüdischer Soldaten besonders hervorzuheben, scheint es uns doch unbedenklich, sie zu erwähnen, wenn der Bericht wörtlich einem amtlichen Kreis- und Zentralblatt entnommen -fst. Die in der „Rur-Zeitung für die Kreise Düren, Jülich, Erkelenz und Geilenkirchen" veröffentlichte Rotiz lautet: „Eine recht lehrreiche Geschichte vom Eisernen Kreuz wurde uns von einem kürzlich in Düren weilenden verwundeten Offizler erzählt. Die von ihm geführte Kom--

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