Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Heereslieferungen
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316854--25506-2349862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 Im deutschen. Reich. „Neuen Hamburger Zeitung", uns zu einer Berichtigung mit der Bemerkung aufzufordern: „Es ist zum mindesten ein Irrtum, denn in unserem Blatt hat sich ein solcher Artikel nicht befunden.. Wir sind auch kein Amtsblatt; wahrscheinlich handelt es sich hier um einen Druckfehler, und es muß H o m b u r g e r Zeitung heißen. Wir sind ein liberales Blatt und gerade darum muß uns diese Notiz unangenehm und schädlich sein." Es handelt sich tatsächlich ^dabei um einen bedauerlichen Druckfehler,- die antisemitische Notiz war nicht in der „Neuen Hamburger Zeitung", sondern in der „Hombnrger Zeitung (Amtsblatt)" abaedruckt. & Vermischtes» Ern Ariegsvortrag im Felde. Auf Ansuchen mehrerer im Felde stehenden Beamten, zur Unterhaltung der im öden Dorfguartier gleichmäßig verlaufenden Abende ihnen eine geistige Anregung zu bieten, hat der Feldrabbiner beim Armee-Oberkommando VI, Herr Rabbiner Or. E h o n e, vor einem kleinen Zuhörerkreise einen Vortrag über „Schiller als Dichter des Rechts, der Freiheit und des Vaterlandes" gehalten. Diesem mitten im KrregSleben gehaltenen Vorträge entnehmen wir folgende wirksame Ausführungen: „Auch Schiller hat zu einer Zeit gelebt, in der das Schicksal mit harten Fingern an die Tore der Menschheit geklopft hat. Durch sein Gefühl für Freiheit und Recht, durch seinen fast unerreichten Schwung und den herrlichen Ausdruck, den er für diese Ideen fand, ist er der Dichter der Freiheit geworden. Sein Idealismus war verankert in dem unerschütterlichen Grunde der Kantischen Ethik, die ewige Forderungen der israelitischen Propheten in anderer Fassung enthält. Schiller ist auf solcher Grundlage fast halber Prophet geworden. Arsprünglich empfindende Menschen, die von starkem Gefühl für Recht, Freiheit und für das Gute erfüllt find, werden immer wieder zur (Vchillerschen Muse zurückkehren. Man hat gesagt, der deutsche Schulmeister hat die Schlacht bei Königgrätz geschlagen. Aber wer hat den deutschen Schulmeister gebildet? Der Geist der Toten, nicht zum mindesten Schillerscher Geist. Das Wort unserer Weisen, „der Gute und Gerechte stirbt nicht, er ist im Tode größer noch als bei Lebzeiten", will sagen: Edles Streben, lauteres Wollen und wahre Weisheit wirken fort, bis sie verwandte Geister finden und zu neuen erquickenden Früchten heranreifen."" — An der Hand von Stellen aus „Teil", „Wallenstein" u. a. nt. zeigte dann der Vortragende, wie Schiller in solchem Sinne gewirkt hat und schloß mit folgenden Worten: „Nur durch solchen Geist bleibt ein Volk stark, und aus solchem Geiste heraus wird es seinen Weg unbeirrt emporschreiten, stark genug, Vorurteile aufzugeben, Rngerechtigkeit zu beseitigen, weiter wachsend in Freiheit und Recht, unter einem Herrscher, der ein Hort und Schirmherr des Rechtes und der Freiheit ist und bleibt, und dem wir aufrichtigen Herzens das Gelöbnis der Treue darbringen." '* — Freitag-Abend im Felde. Freitag beit... März findet auf der Leger Ferme israelitischer Gottesdienst statt" — so stand im Befehl zu lesen. Mit Freuden begrüßte ich diese Mitteilung, da es mir bis dahin nicht vergönnt gewesen war, einem unserer Gottes-