Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Ein Beruf für Witwen gefallener Krieger
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 132 (sequence 2)
- Language
- German
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132 Im deutschen Reich. erste Vierteljahr zu bezahlen, im zweiten Vierteljahr schon eine kleine Besoldung zu erwarten. Nach der festen Anstellung sind die Aufseherinnen Staatsbeamte und erhalten 1100 M. Anfan gsgehalt bis 1300 M. jährlich steigend, außerdem 150 M. Wohnnngsgeldzuschuß. Mit dem Gintritt der Dienstunbrauchbarkeit erlangt die Aufseherin nach vollendetem zehnten Dienstjahr Pensionsberechtigung. Der Centralverein, der in der Kriegszeit auch die Aufgabe übernommen hat, jüdischen Witwen gefallener Krieger bei der Berufswahl behilflich zu sein, erbat sich von dem Kgl. StaaLsministerinm des Innern eine Mitteilung der Bedingungen für die Ausbildung und Anstellung von Gefängnis-Aufseherinnen, um sestzustellen, ob auch für jüdische -Frauen dieser Beruf in Frage komme. Der vom 22. April d. F. datierte B e s ch e i d des Herr e n M i niste r s des I n n e r n flautet: „Als Aufseherinnen an den uns unterstellten Strafanstalten und Gefängnissen werden unbescholtene, unverheiratete oder verwitwete Bewerberinnen angestellt, die im Alter von 25 bis 35 Jahren stehen, vollständig gesund 'sind und eine gute Volksschulbildung besitzen. Bewerberinnen, die bereits in einem sechs-- monatigen Kursus für diesen Beruf vorgebildet sind, werden in erster Linie berücksichtigt. B i s her haben sich, soweit f e ft g e st e l l t w e r d e n k on nie, Angehörige jüdischen G l a u b e n s u m b iese & i e t (c it nicht b e w o r b e n. G s st e h e n aber g r u n d s ä tz l i ch keine B ed e n k e n entg e g e n, j ü d i s ch e A n w ä r t e r i n n e n z n b e r ü ck f i ch t i g e n. Der Zentralausschuß für innere Mission in Berlin-Dahlem, Altenstein-Straße 51, hat sich meinem Referenten für das Gefängnis- Wesen, Geheimen Regierungsrat Di-. Finkenburg, gegenüber bereiterklärt. jüdische Bewerberinnen, die sich dort melden, für dien Fall ihrer Eignung in einem sechsmonatigen Kursus für \mi Beruf als Aufseherin vorzubilden." Wir teilen, dies mit, da bei dem Mangel an Berufen, die den jüdischen Witwen gefallener Krieger und anderen jüdischen j u n ge n D a in e u offen stehen, auch die vorerwähnte Laufbahn in Frage kommt. Goentuelle Bewerberinnen mögen sich mit uns ins Benehmen setzen. & — Der Vorstand 6es ,.Deutschen Genesungsheims" in Wiesbaden, dessen Fürsorgebestrebungen. für die Angehörigen der österreichisch-ungarischen und ottomanischen Armee und Marine rege Förderung verdienen, hat uns mitgeteilt, daß bei Gingang genügender ^Mittel die Absicht bestehe, Genesungsheime zu betreiben, in denen rituelle Verköstigung gewährleistet ist. — Den: königlichen Konfiftortmn 5er Krovinz tDeftfden zu Münster hat der Centralverein am 23. Februar d. I. mrtgeteilr, daß Herr Pastor Beckmann in Gickel anläßlich des KonfirmaLions-llnterrichts zu seinen Schülern wörtlich gesagt habe: „Kauft ja nicht bei Inden. Sorgt dafür, daß Eure Anzüge schon jetzt gemacht werden, damit Ihr nicht am letzten Lage das Geld znm Juden bringen müßt." Als Herrn Pastor Beckmann von jüdischer Seite der Wunsch des Kaisers vrorgehalten worden sei, daß unter den verschiedenen Bevöl'kerungsschichten Frieden herrsche,