Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Bericht über die israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 127 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen» 127 sogleich bei der Mobilmachung zur Fahne stellen. Der Voranschlag der Verwaltung für 1913 ist unter der Voraussetzung aufgestellt, daß die Anstalt während des^ größten Teils des Jahres in beschränktem Amfange geführt wird, sollten die Einnahmen nicht ausreichen, den Betrieb soweit aufrechtzuerhalten, wie es mit Rücksicht auf die Rot- Wendigkeit. den Boden zu bebauen, und die Lehrverträge nötig ist, wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als durch Anleihen der Anstalt über die schwere Zeit hinwegzuhelfen. Die Verwaltung hofft aber, daß es dazu nicht kommen werde. In der Kriegszeit hat sich gezeigt, wie wichtig .es ist, die Vodenerzeugnifse soviel als möglich zu steigern. Damit hat das landwirtschaftliche und gärtnerische Gewerbe auch in den Augen solcher an Wertschätzung! gewonnen, die bisher sich wenig um diese Frage gekümmert haben. — Der Herausgeber des „Kammer" und die „Tägliche Arrnöschau'd In den von Theodor Fritsch herausgegebenen Kriegsflugblättern der antisemitischen Zeitschrift „Der Hammer" erschien am 15. September v. I. ein „H ebrä i s ch c Franzo s e n -- freund e" überschri ebenes „Eingesandt". Darin wurde behauptet, nach der Einnahme von Mülhausen durch die Franzosen sei ein widerwärtiger Kult bei der Ankunft französischer Kriegsgefangener auf dem Bahnhofe in Freiburg i. B. von dortigen jüdischen Damen getrieben worden. Da in dem „Eingesandt" einzelne Namen jüdischer Einwohner Freiburgs 'genannt waren, erhob die Staatsanwaltschaft iw öffentlichen Interesse Anklage gegen Fritsch, der am 1. April vom Schöffengericht in Leipzig mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu 1200 M. Geldstrafe bzw. 8 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Bei der Ausmessung der Strafe wurde der Amstand in Betracht gezogen, daß der Artikel, durch» den sich- '-eine ganze Bevölkerungsklasse verletzt fühlen mußte, in der Zeit des Burgfriedens veröffentlicht wurde, den alle Parteien streng gewahrt hätten. — Tatsächlich trifft dies aber nur mit der Einschränkung zu, daß einzelne Parteiblätter, wie z. B. die „Tägliche Rundschau" und der „Reichsbote", trotz des V u r g f r i e d e n s eine Erklärung des bekannten Theodor Fritsch veröffentlichten, in der er bezüglich seiner Verurteilung behauptete, sie fei erfolgt, „weil jede Beweisführung unterbunden" war. Es ist besonders bemerkenswert, daß die auch in j ü dischen Kreisen verbreitete „Tä gli ch e Rundschau" sich nicht enthalten konnte, sich die lendenlahmen Entschuldigungen des Antisemiten Frits ch für fein e Verurteilung zu eigen zu ma chen? — Anverbefferlich. Wie die „DeutschvölkisHen Blätter" während des „Burgfriedens" ihrem versteckten Groll durch eine „Büßpredigt an die Juden" Luft zu machen versuchen, zeigt folgende von ihnen in her Rümmer 28 vom 7. April veröffentlichte Briefkasten-Notiz : „Die Anterredung des Vertreters der „New Borker Staatszeitung" mit dem deutschen Botschafter in den Vereinigten Staaten, Grafen Vernstorff, hatten wir gelesen. Wir verstehen nicht, wie Graf Vernstorff die Behauptung aufstellen konnte, daß die Abneigung weiter Kreise gegen die Juden nach dem Kriege völlig verschwinden würde. Er soll doch erst einmal abwarten. Wir glauben, daß ganz Das Gegenteil der Fall sein wird. Weite Kreise, die uns sonst fernstanheN) aber die Beherrschung des Lebensmittelmarktes durch das Judentum jetzt kennen gelernt haben, die ebenfalls über den Einfluß der Juden bei Kriegslieserungen unterrichtet sind, denken darüber jetzt lebenfalls so wie wir. Auch die Soldaten, die Gelegen-