Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Die Monopolisierung der Wohltätigkeit
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 90 (sequence 1)
- Language
- German
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- chapter
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90 Im deutschen Reich. — „Die Monopolisierung bex W&bliäkigfcit“ - lautete die' Aeberschrift eines in dem Organ des bekannten Verlegers Theodor Fritsch in Leipzig am 13. September v. I. veröffentlichten Artikels. In diesem wurden sechs jüdische Juristen in Nürnberg, auf deren Mitarbeit in verschiedenen Kriegsfürsorge- Ausschüssen die dortige Stadtverwaltung besonderen Wert legt, durch die Andeutung beleidigt, daß sie ihre Ehrenämter zu persönlichen und geschäftlichen Zwecken mißbrauchen konnten. In der von den Beleidigten erhobenen Privatklagesache wurde am 11. Januar d. I. vor dem Schöffengericht in Nürnberg der Beklagte als des Vergehens der Beleidigung schuldig befunden, zu einer Geldstrafe von 189 M., die für den Nichteintreibungsfall in zwölf Tage Gefängnis umgewandelt werden, verurteilt, den Beleidigten die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung auf Kosten des Verurteilten durch einmaliges Linrücken im „Hammer" und im „Fränkischen Kuriers öffentlich bekannt zu machen. In der Begründung des ILrteils wurde von Fritsch gesagt: „Er i st s ch on meh r f a ch Wege n Beleidigung bestrafL; auch h.' a L er die P r i o a t k l ä g e r, die ihre Arbeitszeit und ihre ArLeiLs krast in s elb stl o s er W eisei n den D i e n st der Allgemeinheit g e st e L l L haben, g r u n d l o s ö e i eidigL u n d b c n t n n e r e n Frieden gefährdet. Andererseits war zu berücksichtigen, daß der Artikel nicht seiner eigenen Initiative entsprang, sondern, wie er glaubhaft 'vorbringt, ihm von anderer Seite als angeblicher Ausdruck einer in Nürnberg verbreiteten Stimmung übersandt worden war." — „Herr Moritz Lohen Brandes". Ämter dieser Aeberschrift haben am 13. Januar die „Deutsch-sozialen Blätter" einen der „Ostdeutschen Rundschau" in Wien entnommenen Artikel veröffentlicht, in dem versucht wird, aus Entgleisungen des in Kopenh a g e n geborenen „dänischen Literaturpapstes", Georg Brandes, Kapital für den Antisemitismus herauszuschlagen. Da Brandes sich selbst wiederholt öffentlich als konfessionslos bezeichnet hat, kommt er auch für die Antisemiten nur als „Iudensprößling" in Frage; sie behelfen sich damit, daß sie den von dem Dänen Brandes im Pariser „Temps" veröffentlichten deutsch-feindlichen Aufsatz gegen den „preußischen Militarismus" kurzweg auf jüdischen Geist und jüdische Rasse zurückführen. Die" Abneigung gegen den „preußischen Militarismus" hat aber der nichtjüdische Literat Brandes bereits früher kundgegeben, wie dies bekanntlich auch zuweilen „echte Germanen" getan haben. Ans deutsche Juden verschone man aber mit diesem Herrn, der weder dem Judentum angehört, noch angehören will, da wir doch auch keinen der Deutschland beschimpfenden Germanen irgend jemandem an die 'Rockschötze hängen. H — Der alldeutsche „Volkserzieher" hat wiederholt Aeußerungen veröffentlicht, die unverkennbar die Absicht des Herausgebers .W i l h e l m Schwa n e r bekundeten, sich gegen eine Gemeinschaft