Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Herr Victor v. Kohlenegg
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 89 — Victor v. Aohlenegg, dessen Roman „Die Treppe" in einer Briefkasten-Notiz des vorigen Heftes (S. 48) erwähnt wurde, ersuchte uns, bekannt zu geben, daß er sich dagegen verwahrt habe, Antisemit zu sein. Er sei in seinen Schriften lediglich bemüht, das Allgemein-Menschliche zu erfassen undzu deuten. Unsere Aeußerung über Velhagen & Klasing können wir^ trotzdem nicht zurücknehmen oder einschränken, da sie, wie gesagt, aus anderweitigen Erfahrungen begründet ist. ❖ Korrespondenzen. — Aus öem AriegslcrzareLL II in Brüssel ging uns von dem darin als freiwilligem Kriegsarzt tätigen Herrn Dr. Alfred Fürstenberg nachstehender Bericht zu: Auf Anordnung Sr. Exzellenz des Generalgouverneurs v. Bis f i n g hat hier am 26. Dezember 1914 iu der nie de la regence gelegenen großen Synagoge der erste Feldgottesdienst für die Garnison Brüssel stattgesunden. Aach Beendigung des gewöhnlichen Sabbathgottesdienstes durch den belgischen Großrabbiner entfernten sich die belgischen Gemeindemitglieder, und gegen 70 deutsche Krieger jüdischen Glaubens sammelten sich mit ihren Vorgesetzten zu Füßen des ehrwürdigen Oberrabbiners Dr. Iaulus aus Aachen, der schon vor mehr als 30 Jahren an derselben Stelle anläßlich der Einweihung der prächtigen Brüsseler Synagoge gestanden hat. Die Feier wurde mit dem gemeinschaftlichen Liede „Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten" eingeleitet. Es war ein wunderbar ergreifendes Gefühl, als das Lied durch den hohen Tempel brauste. Dann hielt der ehrwürdige deutsche Rabbiner eine alle Herzen bewegende Predigt, in der er auf die in diesem Kriege schon bewiesene und von hoher Stelle anerkannte große Tapferkeit der Juden hinwies und zu neuer mutiger Tüchtigkeit und Pflichttreue ermahnte. Ein deutsches Lied beschloß den erhebenden Gottesdienst. ❖ — Inr Israelitischen Ktanienfyaus in Stxa^bmg, i. E. wird der Pflegerdienst von Schwestern des Frankfurter Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen versehen. Bei Ausbruch des Krieges hat die Krankenhausverwaltung sämtliche Schwestern bis auf wenige, die den eingeschränkten Betrieb im Hause selbst versehen müssen, dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt, das sie dem Festungsbezirk XXII b überwies. * — Jüdische Hanxtlente. Obwohl in Bayern jederzeit jüdische Einjährige zu Reserve-Offizieren qualifiziert und befördert wurden, war es doch bemerkenswert, daß bei der vor kurzem erfolgten Beerdigung der Kaufmannsgattin Johanna Löwensohn in Fürth die drei Söhne als Hauptleute der Landwehr in Aniform an der Bahre der Mutter standen.