Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Die Deutsche Wacht
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 88 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Im deutschen. Neich. in den Marken eine entsprechende Verwarnung erhalten hat. Von hier aus ist etwas Besonderes zu Lun unmöglich da diese Zeitung im wesentlichen ihren Sitz in Berlin hat.' Der Kommandierende General gez. von .Broizem." — Der Besitzer einer Branntweinbrennerei, der unser Vereins- Mitglied ist, hatte in einem Inserat Tresterbranntwein angeboten. Darauf erhielt er von den Herren Gebrüder Koch, die in einer belebten Straße in Neuenahr ein Ladengeschäft haben, eine Postkarte mit der Erklärung, daß sie geneigt seien, bei einer soliden christlichen Firma zu kaufen. Die uns unterbreitete Postkarte veranlaßte uns, an die Herren Gebrüder Koch die Anfrage zu richten, ob ihre Erklärung so zu verstehen sei, daß sie jetzt, wo alle Deutschen zusammenstehen, die Juden -— wenigstens als Lieferanten — ausschalten wollen. Die auch in der Form wenig höfliche Antwort lautete, daß bei den Chifferanzeigen der Deutschen Weinzeitung vielfach sich Elemente verstecken, die Gründe haben, ihre eigene Firma zu verschweigen, und daß Erfahrungen, die sie gemacht hätten, sie zu dieser Haltung zwangen. Sie hätten keine einseitigen Anschauungen, bezögen auchjetzt noch von verschiedenen jüdischen Firmen andauernd, wollten aber den Brunnen nicht erst zudecken, nachdem mehrere Kinder ertrunken seien. Sie verallgemeinern also unverkennbar in antisemitischer Weise auf Grund einzelner Erfahrungen, oder auch nur einer solchen, obgleich sie gewiß auch schon solche Erfahrungen mit Firmen gemacht haben, deren Inhaber nicht Juden sind. Mit den Herren Gebrüder Kochsind wir fertig, aber wir als Juden müssen aus solchen Erfahrungen immer wieder die Lehre ziehen, daß ein einziger unreeller Jude mehr sch.adet, als hundert gerechte Juden gut machen können! — Ariegswuchcr. Anter der Reberschrift „Heereslieferung e nu erbot sich am 12. Januar im Berliner Tageblatt unter der Chiffre I. N. 3168 „ein Herr, der beste Beziehungen zu den in Frage kommenden Behörden hat, solche Lieferungen aller Art unter günstigen Bedingungen zu vermitteln". Dieses Inserat veranlaßte die „Pfälzische Post" zu einer u. a. von der „Hamburger Zeitung" (Amtsblatt) abgedruckten längeren antisemitischen Notiz, in der das Inserat abgedruckt und daran Bemerkungen folgender Art geknüpft waren: „Links von diesem Text erblickt man das glattrasierte schlaue Händlergesicht eines Herrn von unverkennbarer A b st a m m u n g. Der Mund verzieht sich zu einem unverschämten breiten Grinsen, das linke Auge blinzelt pfiffig nach oben, b a s r echte ist z u g e d r ü ck t!" — Der Centralverein hat den Inserenten ausfindig gemacht; der Betreffende heißt Harro C r a m m, wohnt in Neukölln, Hermannstr. 233, und ist laut Auskunft des dortigen Einwohner-Meldeanrts evangelisch.