Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Die Sympathien der Juden in New York
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 40 (sequence 2)
- Language
- German
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40 Im deutschen Reich. unsere Liebe, auf dessen Boden die giftige Pflanze des Antisemitismus gediehen ist? ungefähr lauten die Fragen, die seitens der Verbündeten und ihrer Anhänger an uns gestellt werden. Darauf wollen wir kurz antworten: Wohl läßt sich nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß auch Deutschland und Oesterreich vorn Judenhaß nicht frei sind. Die Zeit ist leider noch nicht gekommen, in der der Mensch in seinem Rächsten, einerlei zu welcher Religion, Rasse und Rationalität er gehört, nur seinen Bruder erblicken wird. Ls wäre aber Ansinn, wenn wir Deutschland wegen seiner vereinzelten und vorübergehenden antisemitischen Kundgebung gen mit Rußland auf eine Stufe stellen wollten. Zu Metzeleien und Schändungen jüdischer Frauen ist es in Deutschland nicht gekommen. Selbst wenn es dort Individuen mit derartigen tierischen Instinkten geben würde, ist dort eine Regierung vorhanden, die sich ihrer Aufgabe bewußt ist, solche krankhaften Raturen kräftig im Zaume zu halten. Anders in Rußland: hier wird die tzvaat des Antisemitismus mit allen seinen schrecklichen Folgen vom Zaren selbst und seiner Regierung ausgestreut. -Ls liegt auf der Hand, daß wir moralisch verpflichtet sind, mit Deutschland zu sympathisieren nnd dessen eventuellen Sieg als den unsrigen zu betrachten. Freilich könnte dieser Sieg nicht ohne Demütigung von England und Frankreich — die uns nicht übel gesinnt find — vor sich gehen. Sie würden sich mit dem Schicksal, das sie selbst verschuldet haben, abfinden müssen; denn das Wort eines TalmudisLen sagt: „Verbinde dich nicht mit dem Frevler; vergiß nicht, daß einer solchen Verbindung die Strafe auf dem Fuße folgt." — Daß nicht nur in Rew-Vork, sondern auch in anderen Städten der Vereinigten Staaten die deutschen Juden ihrer -alten Heimat liebevoll gedenken, geht aus einem schreiben hervor, das uns ein in Wilmersdorf wohnhaftes LenLralvereins-i Mitglied unterbreitet hat, dessen seit fünfundzwanzig Jahren in den Vereinigten Staaten lebender Bruder sich, wie folgt, äußert: „Seit Ausbruch des .Krieges haben wir Deutschen erst herausgefunden, wie wir immer noch mit jeder Faser unseres Herzens an unserem Geburtslande hängen. Viele von uns, die dachten, daß wir ganz und gar im Amerikanertum aufgegangen seien, haben jetzt erfahren, daß wir immer noch deutsch gesinnt sind bis auf die Knochen. Ls werden uns deshalb von den eingeborenen Anglo- Amerikanern Vorwürfe gemacht, unsere Antwort aber ist: „Das versteht Ihr nicht." Ebenso wie ein Mann, wenn er heiratet, sein Elternhaus verläßt, mrr seiner Frau ein Heim sich gründet und trotz der Liebe zu seiner Frau seine Anhänglichkeit zu seiner Mutter nicht -abnimmt, betrachten wir Amerika als unsere Gattrn, aber Deutschland als unsere Mutter. Dieses Argument kann nicht widerlegt werden. Auf meine Veranlassung wurde hier eine Hilfsgesellschast gegründet; wir haben bis jetzt 1200 Dollar gesammelt, wovon 1200 an die Rote Kreuz-Gesellschaft ab geliefert wurden. Wir hoffen, 3000 Dollars hier zu sammeln. Die hiesige Presse und das nichtdeutsche Publikum sympathisieren mit den Alliierten; es würde ja zu weit führen, die Gründe dafür anzugeben. Die Erfolge, welche die deutschen Waffen erzielten, haben aber hier einen gewaltigen Eindruck gemacht und Bewunderung für Deutschland hervorgerufen. Die englische Zeitung „Tribüne" schlägt jetzt einen anderen Ton an. Gestern brachten die Zeitungen die Rachricht, daß nun auch die Türke: sich auf die Seite Deutschlands stellt; hoffentlich wrrd dadurch dieser schreckliche Krieg bald zu Ende kommen."