Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Zum Sedantage
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Im deutschen Reich. den für die Wohlfahrtseinrichtungen der Gegenwart nicht aus den Händen aller Konfessionen? Ich will dem Verfasser des betreffenden Artikels nur zu bedenken geben, daß das etwa 51 Millionen. zählende österreichisch-ungarische Volk, das unser Verbündeter in diesem heißen Kampf um deutsches Recht, deutsche' Sitte und deutsches Wesen ist, wohl 36 Millionen Katholiken zählt und neben den Andersgläubigen nur etwa 6 Millionen evangelischer Christen. Ferner, daß in unserem deutschen Vaterlande zwei Fünftel der Bevölkerung Katholiken sind, die ebenso wie die Juden die gleiche Pflicht fürs Vaterland kennen und deren Heeresangehörige (ich erinnere an die Heldenkämpfe gerade der Bayern in diese m Feldzuge), Gut und Blut einsetzen für das Gesamtwohl des Vaterlandes. Heute, wo Gottesfrieden in allen Parteien und Schichten des Volkes herrscht, soll man ihn, besonders in konfessionellen fragen, erwarten. Ich schätze den evangelischen Glauben, möchte aber den meinigen nicht missen, und hoffentlich tragen die Früchte dieses Krieges dazu bei, daß die Freiheit der einzelnen Konfessionen gewahrt bleibe wie bisher. Das Memorandum (deutscher Katholiken über den Weltkrieg) erklärt zur Genüge, wie auch nichtcvangelische Kreise Deutschlands von der Hebekraft ihres Glaubens durchdrungen sind, und daß sie in bezug auf deutsches Fühlen hinter niemanden zurückstehen. Ich will mich nicht in weitere Auseinandersetzungen einlassen; meine Zeilen sollten nur eine Abwehr sein, und nur meiner Meinung wollte ich Ausdruck geben, die dahin geht, hast Auslassungen, wie die zu Schluß des oben erwähnten Sedanartikels vor allem in heutiger Zeit nicht in eine Tageszeitung gehören, die v o n Ai n g e h ö r i g e n aller K o n s e s s i o n e n gelesen wird/' w. — LiebssLätigkert. Unter der Ueberschrift „I ü d i s ch e Vaterlandsliebe" veröffentlichten die „Deutsch-Sozialen Blätter" folgende mit W. Unterzeichnete Mitteilung: „Frau Stern in Kassel ist eine reiche Frau und bewohnt eine große Wohnung nahe der Kaserne. (Ls ist spät abends, zehn Land w ehr männer hab en kein Qwartier, ratlos, wo sie die Rächt zubringen sollen. Als sie bei der reichen Jüdin anklopfen, werden sie schroff abgewiesen mit den Worten: „Einquartierung bekomme ich nächste Woche, und die wird bezahlt!" (Glücklicherweise fanden sich deutsche Rachbarn genug, die den Leuten Freiquartier gewährten. Rach dem Kriege werden unsere Fremdlinge aus dem Orient nicht zu knapp auf ihre großartigen Dienste pochen." — Auf unsere Veranlassung wurden sämtliche Jüdinnen in Kassel, die „Stern" heißen, über den Vorfall befragt; bei keiner war ähnliches vorgekommen. Wohl aber waren anfangs September nachts 11 Uhr noch nicht ein gekleidete, einberufene vier Land wehr männer, die Unterkunft suchten, durch eine nahe der Kaserne wohnhafte Milchhändlerin nach ihrem Wohnhause mitgebracht und veranlaßt worden, dort nach Unterkunft zu fragen. Rachdem sie bei einer Familie Knatsch vergebens geklingelt hatten, schellten sie bei der jüdischen Frau Minnctz Ster ne r (nicht Stern), die ebenso wie ihr Dienstmädchen Martha aus dem Schlafe geweckt wurde, selbst aber die Leute weder gesehen nochgebrochen hat. Inzwischen hatte der Lärm einen anderen Herrn herbeigeführt, der die Landwehrmänner mit sich