Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Antisemitische Pamphlete
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 405 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischtes. 405 er denn nicht die Rede des Kaisers vom 4. August gelesen unb es dennoch für richtig halte, in diesen Tagen antisemitische Lieder gemeinster Sorte ins Schaufenster zu legen. Der Buchhändler erklärte zunächst, er hätte die Rede gelesen, fragte aber darauf, ob mein Freund in irgendwelchem Aufträge käme. Die kurze Antwort meines Freundes war, er käme zunächst in seinem eigenen Auftrag, wenn aber am nächsten Tage mittags 12 Ahr die antisemitische Schrift nicht aus dem Schaufenster verschwunden wäre, würde wohl der Herr Gouverneur, Exzellenz v. Wandel, Mittel und Wege finden, das Lied aus dem Schaufenster zu schaffen. (Der Kölner Gouverneur hatte anläßlich des Todes des Papstes jeden konfessionellen Streit in der Presse verboten und hätte sicherlich bei seiner hier bekannten Toleranz Anstoß an dem antisemitischen Lied genommen und das Nötige veranlaßt.) Am anderen Tage war „das Lied vom kleinen Levi" aus dem Schaufenster der „Deutsch.völkischen Buchhandlung", so lautet die Firma, verschwunden, und heute findet man dort nur Literatur allgemeinen Inhalts." =~ Aum Sebantage brachte die „Konservative Zeitung für Hinterpommern" einen von Herrn Pastor Aßanus in Stolp, Pommern, verfaßten ArtikeL, der in einer Zeit, in der ein echter Patriot nur das betonen sollte, was alle Deutschen Lun, eine mit dem bekannten Kaiser-Ausspruch unvereinbare starr konfessionelle Tendenz auswies, die besonders am Schlüsse des Artikels sich in folgenden Sätzen ausprägte: „Was war es, das gerade Deutschland vor allen Völkern der Erde zu solcher geistigen und sittlichen Höhe emporgehoben hat? Diese Hebekraft heißt: Der reine evangelische Glaube schafft in sich gefestigte, lebensfreie und sittlich geedelte Persönlichkeiten, erzeugt Helden, wie die große Zeit vor 44 Jahren sie erlebt hat, und wie wir sie jetzt zu Hunderten sehen dürfen. Anser Glaube, unser evangelischer Glaube, ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." — Auf diese für alle nicht der evangelischen Konfession ungehörigen Deutschen verletzenden Ausführungen ist alsbald in den „Stolper Reuesten Rachrichten" eine leider nur mit L. D. Unterzeichnete geharnischte Entgegnung erschienen, die wahrscheinlich von einem Kat ly oliken herrührt, da in derselben auf „ein Memorandum deutscher Katholiken über den Weltkrieg" bezug genommen wird. In der Entgegnung wird u. a. gesagt: „Will der Verfasser etwa damit behaupten, daß die Bayern und Rheinländer usw. von 1870 Sedan nicht mitschmieden halsen? And wenn uns heute der allmächtige Gott ein neues Sedau scheukt, wird da die größere Hälfte des deuLsch-österreichischen Heeres, die doch katholisch ist, keinen Anteil daran haben? Tun die jüdischen und die nicht der evangelischen Landeskirche angehörenden Christen als Kämpfer im Felde nicht auch voll und ganz ihre Schuldigkeit? Anser Kaiser erkennt das an. Er nennt alle Kämpfer ohne Unterschied seine Kameraden. Stammen die Sperr-