Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Unverbesserlich
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 401 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen, 401 — Unverbesserlich ist die „Thüringer Landes-Zeitung", die ckm 1. September d. I. unter der Aeberschrift „Wie heißt der Wann?<! auf eine Mitteilung sozialdemokratischer Blätter verwies/ wonach der Inhaber einer sehr einträglichen Fabrik in Bayreuth, Hoflieferant und Magistratsrat nach der Mobilmachung seine sämtlichen Angestellten sofort entließ und, als sie sich auf den RechtsstandpunkL beriefen, sie mit patriotischen Floskeln und der Erklärung abzufertigen suchte: „Ick/t stehen höhere Interessen auf dem Spiele und der, der glaubt, jept die Hände in die Hosentaschen stecken zu können, um ein sonniges Lldoradoleben führen zu können, solange unsere Brüder auf dem Felde sind, der wäre nicht wert, den Friedensschluß zu erleben. Suche sich ein jeder, so rasch er kann, einen Posten zum Wohle des Staates. Sichjetzt an die Rockschöße des Prinzipals zu hängen, ist eines Deutschen unwürdig.^ — In den sozialdemokratischen Blättern war dazu bemerkt: „Der von diesem Bayreuther Fabrikanten bekundete Patriotismus wird um so heller strahlen, wenn man hinzufügt, daß er zwei Tage vor der Mobilmachung aus Anlaß eines Besuches des bayerischen Königs in Bayreuth 30 000 Mark stiftete, um den Kommerzienrattitel Zu erlangen." — Die „Thüringer Landeszeitung" fügte dieser Notiz nachstehende fettgedruckte Zeilen hinzu: „Es wäre doch sehr verdienstlich, den Namen dieses Patrioten für alle Zeiten festzunageln. Die ganze Art und Weise und vor allem das wunderbare Deutsch des Bayreuther Fabrikanten lassen allerdings auf die Gründe schließen, die eine Namensnennung in sozialdemokratischer: Blättern a u s sch l i e ß e n." — Wir sind in der Lage, dieses Verdienst zu erwerben: Das festgenagelte „patriotische" Schreiben rührt von dem Pianoforte - Fabrikanten Steingraeber her, der Hoflieferant und Magistratsrat i n Bayreuth, weder Jude ist, noch von Juden abstammt, sondern weit eher den Gesinnungsgenossen der „Thüringer Landes-Zeitung" zuzuzählen sein dürfte. Wir sind begierig zu erfahren, ob die „Thüringer Landes-Zeitung" so viel Anstand besitzen wird, ihren Lesern die Beantwortung der Frage: „Wie heißt der Mann?" mitzuteilen. Anser schriftliches Anerbieten, ihr den Namen mitzuteilen, ließ sie unbeantwortet. — L)err Th. Fritsch hat sich bisher bei der Redigierung seiner Zeitschrift „Hammer" auch sehr wenig um den durch die schweren Ereignisse gebotenen Waffenstillstand ans dem Gebiete der inneren Politik gekümmert. Am 1. Oktober erklärte Th. Fritsch im „Hammer": „Ein V u r g f r i e d e n i st u n möglich-, solange eine Bevölkerungs-Gruppe, durch besondere Gesetze verbunden, ihre Interessen denen der Allgemeinheit stets feindlich gegenüb erstellt und immer nur ih ren Sondervo rteil sucht. Es ist der „ewige Fremdling" unter uns, der den Burgfrieden gefährdet: und er war es auch, der in Friedenszeit die Parteien und Stände am heftigsten gegeneinander verhetzte, um im allgemeinen Anfrieden die Herrschaft an sich zu reißen." — Wie Fritsch die angeblichen „Fremdlinge" behandelt, beweist die weitere Notiz im „Hammer": „Das Proviant-Amt ist fast völlig von Hebräern besetzt. Da andererseits auch die Getreide- und Viehhändler in hiesiger Gegend fast ausschließlich Semiten sind, so werden sie gute'Geschäfte mit-