Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Das Rote Kreuz
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 399 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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399 Korrespondenzen.- dieser Zeit zufällt, nicht immer bei der Verwendung der Hilfsmittel und der Auswahl und Annahme der sich zur Verfügung stell enden Kräfte v orurteilsfrei v erfährt. Klagen sind laut geworden, daß konfessionelle Engherzigkeit hier und da her um spukt, trotze dem die deutschen Juden Gut und Blut mindestens gleiche ihren christlichen Mitbürgern dem Vaterlande darbringen. Wenn. man diesen Klagen gründlich und unparteiisch, nachgeht, so zeigt es sich, daß eine Anzahl von Beschwerden über das Rote Kreuz ebensowenig begründet ist wie so manche Phantasiegebilde, die in diesem Kriege ja auch auf anderen Gebieten üppig in das Kraut schießen. Entgleisungen untergeordneter Organe des Roten Kreuzes sind vor» gekommen, ohne daß, die Leitung deswegen ein Vorwurf trifft. Beklagen muß man es, daß diese trotz der Zusage, aus den Fragebogen für die Aerzte die Frage n a ch d er Religion fortzulässen, neuerdings wiederum diese Frage stellt. Sie begründet das damit, daß Angabe der Religion für die „Verwendungsbücher" erforderlich fei und für die Bestimmung der Seelsorge für verwundete Angehörige des Roten Kreuzes und eventuell für das Begräbnis. Es wird versichert, daß dabei jeder Hintergedanke fehle. Wir bezweifeln es nicht, wissen aber zu gut aus vielfältiger Erfahrung, wie derartige Harmlosigkeiten von untergeordneten und böswilligen Organen in ganz beftirnmtem Sinne ausgelegt werden. Dem sollte vorgebeugt werden. Wir werden uns einerseits vor übergroßer Empfindsamkeit hüten müssen, aber anderseits unsere Rechte wahren, wo sie bedroht werden. Das heilige Feuer der Begeisterung, das -alle Kreise durchlodert, und das oft zitierte Kaiserwort, müssen als kostbares Kleinod gehütet werden zum Vesten unseres deutschen Vaterlandes. — Das jüdische Schrvesternhelnr Stuttgart, welches im Jahre 1900 von der Stuttgartloge gegründet uno im Jahre 1905 eröffnet wurde, hat sich vollkommen in den Dienst des Heeres gestellt. Der Verein hat sein gesamtes Pflegepersonal am Tage der Erklärung des drohenden Kriegszustandes der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt. Die württembergische Militärbehörde hat dieses Anerbieten dankbar angenommen, und bereits am 6. August ist der Vorstand des Vereins, Dr. S. Feldmann mit der Oberschwester, neun anderen Schwestern und vier Helferinnen zum FestungshelfslazareLt Breisach abgereist. Das ganze Personal wurde dem SanitätsamL des XV. Armeekorps unterstellt, dem Vorstand wurde die Leitung, und den Schwestern, zusammen mit der notwendigen Anzahl von Militärkrankenwärtern, die Pflege im Lazarett I in Breisach übertragen. Das Lazarett I in Breisach ist eine alte Kaserne, in welcher seit vielen Jahren eine Bijouteriefabrik betrieben wurde; es wurde mit Hilfe der Schwestern in verhältnismäßig kurzer Zeit vorn Keller bis zum Dachstock geputzt, und dank den eingreifenden Maßregeln der »militärischen Behörden so umgestaltet, daß es heute ein allen billigen Ansprüchen genügendes, und zur Vornahme auch der größten Operation taugliches Lazarett zu nennen ist. Es wurde mit insgesamt 215 Mannschastsbetten ausgestattet. Außerdem wurden dem Lazarett zwei Privatvillen angegeliedert, in denen 22 Offiziersbetten untergebracht sind. Trotz der beschwerlichen und ausgedehnten Vorarbeiten konnte der Betrieb bereits am 23. August eröffnet werden. Die höchste Belegzahh welche das Lazarett bisher hatte, betrug zehn Offiziere und 165 Mann. Die Arbeit der