Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Die wahren Herren von Frankreich
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Im deutschen Reich. sind, und daß diese Blätter der Juden alle vernichten, die dem Judentum im Wege sind usw. Ein Münchener Kaufmann, Herr L. L., fand in der Passauer „Donau-Zeitung" den Artikel und sandte uns diesen mit der Bemerkung zu, „daß, wie es scheint, auch eine Anzahl Zentrumsblätter einer antisemitischen Richtung huldigen". Wir wandten uns an unseren Münchener Vertrauensmann, und ersuchten ihn, bei den verschiedenen in Betracht kommenden Redaktionen in der Angelegenheit zu intervenieren. Denn es konnte dem Centralverein, im Interesse der deutschen Juden, nicht gleichgültig sein, wenn derartige Verleumdungen der deutschen Juden in das Land hinausgehen und in der Bevölkerung Wurzel fassen. Anser Vertrauensmann nahm sich der Sache an und brachte ein ganz merkwürdiges Resultat seiner Rachforschungen zutage. Es ergab sich, daß der Artikel 9 4 Zentrums¬ und antisemitischen Blättern zuging, daß 94 Blätter im Reiche natürlicherweise den Artikel abdruckten. (Von den anderen Nachdruckern ganz zu schweigen.) In dem Artikel beruft sich dessen Verfasser auf das Buch: „Frankreich für uns", von Isaak Blümchen in Krakau. (Der Verfasser nennt Isaak Blümchen einen Juden.) Anser Vertrauensmann wandte sich zuerst nach Krakau, um das sonderbare Buch zu erwerben und darin Einsicht zu nehmen. Er erhielt folgende Auskunft: „Ein Buch „Frankreich für uns" ist in Kra ka u er BuchHandlungen unb ek a nnt — und auch nicht in Krakau erschienen." Zur Sicherheit wandte sich unser Vertrauensmann an die Buchhändler, unt zu erfahren, wo denn das Buch des Herrn Isaak Blümchen aus Krakau: „Frankreich für uns" erschienen ist. Der Laufzettel des Buchhändlers gab folgende Antwort: „Ein Buch „Frankreich für uns" von Isaak Blümchen in K r a k a u i st i n k eine m V e r z e i ch n i s der e r s ch i e n e - neu Bücher zu finden." — Es ist also klar erwiesen, daß der ganze nichtsnutzige, die Juden verleumdende Artikel erfunden ist und daß der Erfinder ein Fälscher ist und die Druckerschwärze zur Verbreitung dieser gemeinen Verleumdungen der Juden mißbrauchte, und um seinen Ausführungen einen Schimmer von Wahrheit zu geben und die Redaktionen und das Publikum zu täuschen, sich auf jenes erwähnte, gar nicht existierende Buch berief. Der Artikel ging von der „Salzburger C h r o n i k" aus, soweit zu ermitteln war, und an dieses Blatt, das wir öfter schon auf antisemitischen Abwegen ertappten,