Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- O. G. Berlin
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 331 (sequence 2)
- Language
- German
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Vncherscham 331 das den Aus z u g btx Freiwilligen a u s Br' eß lau im Jahre 1813 darstellt. Das von dem Zeitgenossen G. Graf gemalte Bild zeigt rechts ganz im Vordergründe, also bewußt hervorgehobeneinen Juden, der mit opferfreudigem Gesicht seinen Sohn den Freiwilligen zuführt. Diese Don einem Zeitgenossen hervorgehobene Szene macht ersichtlich, daß damals solche Opferwilligkeit der Jude?r anerkannt wurde. I. LN. Bielefeld. In dem „Juristischen Briefkasten" einer Fachzeitschrift wurde kürzlich eine „Frage" veröffentlicht, die das Verfahren eines Annoncen-M'quisitenrs betraf. Nachdem der Text aufgesetzt war, soll der Akquisiteur in den Bestellzettel einen Abschluß auf 3000 Zeilen eingetragen haben, den der kurzsichtige Besteller uuvorsichtigerweise unterschrieb, obwohl er nur über 300 Zeilen derhandelt hatte. Daß in der Frage der Akquisiteur als „Jude" bezeichnet wurde, hatte viele jüdische Leser der Fachzeitschrift verletzt, denn derartige unlautere Machenschaften, die leider bei Aufnahme von 'Inseratenbestellungen von Akquisiteuren der verschiedensten Bekenntnisse notorisch nicht selten verübt werden, sind keineswegs den jüdischen allein zur Last zu legen. Wir haben dies dem Redakteur des betreffenden Fachblattes vorgehalten, der versicherte, das 'eingeklammerte Wort „Jude" wäre weggeblieben, wenn er die Notiz vorher gelesen hatte. Gr gebe gern die Zusicherung, daß solche Wendungen künftig vermieden oder zurückgewiesen werden. K. 2t., Leipzig. Daß Antisemitenblätter im Feuilleton Leistungen jüdischer Autoren und Künstler anerkennend oder auch nur objektiv besprechen lassen, kommt, wenn auch nur selten, doch zuweilen vor. Wir geben auch zu, daß der Ton der in der „Literarischen Wochenschau" vom 5. Mai von Herrn Herbert Stegeman in der „Deutschen Tageszeitung" veröffentlichten Besprechung des von Jakob Löwenberg verfaßten Romans „Aus zwei L)uel- $ e n", vorr dem sonst in dem genannten Blatt üblichen, vorteilhaft absticht. Am Schluß der milden Besprechung zeigt sich aber doch wieder die antisemitische „Klaue" durch die Worte: „Esbegreift sich nicht leicht, Daß sich jemand bewußt und grundsätzlich ,al§ Angehöriger einer andern Rasse und zugleich als Deutscher fühlen will: und mir scheint hier eigentlich nur der tragische Fall eines Menschen gegeben, der Anmögliches verlangt." — Zr Bücherschau. Antisemitische JugenökiLeraLur. Im Verlag von Franz Ohme-Leipzig erscheint ein buntillustriertes Kinderbuch: „Der kleine Stapel matz". Darin steht auf Seite 13 bis 16 die lehrreiche Geschichte: „Der böse Jude oder die Fahrt auf der Windmühle", ein Märlein, ganz geeignet, schon ins Gemüt der Kleinen abergläubische Furcht und Haß gegen den bösen Juden zu senken, der die Rolle des schwarzen Mannes spielt. Typisch karikierende Illustrationen helfen den schlimmen Eindruck vertiefen. Wir haben uns desha b an den Verleger gewendet mit der Bitte, der von ihm selber gewiß nicht beabsichtigten antisemitischen Wirkung des Buches bei einer Neuauflage durch Fortlassung der anstößigen Geschichte zu begegnen. Herr Franz Ohme hat unser Schreiben, auch nach wiederholter Erinnerung, nicht beantwortet. L. Lebensweisheit. Aus den Schriften und Briefen Verthold Auerbachs ausgewählt und herausgegeben von Dr. Eugen