Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Dürfen sie nicht Schweden sein?
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 323 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316848-2348985--24913-2349068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dürfen sie nicht Schweden sein? 323 Wenn nun jemand kommt und sagt, daß ein zugezogener Jude niemals Schwede sein will und kann, und dieses Arteil, das er über wandernde, jüdische Hausierer fällt, auch auf andere Männer oder Frauen jüdischer Abstammung anwendet, so ist diese Aeußerung so töricht, daß man sie kaum zu beachten braucht. Anders aber ist es, wenn eine schwedische Korporationj — zu der ein großer Teil Mitglieder jüdischer Gemeinden gehört! — in ihrem offiziellen Organ dergleichen Angriffe versucht. Es ist anzunehmen, daß jüdische Mitglieder den Verein infolge dieser Angriffe verlassen, vielleicht auch nichtjüdische. Da der Außen, den ihnen der Verein gibt, nicht besonders groß ist, kann ihnen auch der Austritt keine nennenswerten Nachteile bringen. Weit schlimmer wäre es, wenn die jüdischen Mitbürger in Schweden — wo wir auf Grund historischer, politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse eigentlich nie eine „Iudenfrage" gehabt haben — wenn sie die Auffassung bekämen, daß man sie nicht absolut zur schwedischen Nation rechnet. Ist es eine Eigenschaft, die die jüdische Bevölkerung vor allere anderen besitzt, und dem schwedischen Volksstamm vor allen anderen fehlt, so ist es die kaufmännische Tüchtigkeit. Welchen Sinn könnte es da haben, ihnen in der Nation Grenzen zu ziehen, sozusagen sie zu einem Volk im andern Volk zu machen? Zeugt es nicht im Gegenteil von guter schwedischer Politik, daß wir sie immer in Frieden unter uns leben ließen, daß wir ihnen zeigten, wie gern wir ihnen ein Vaterland gönnen, wie gern wir sie als Schweden anerkennen und wie gern wir mit ihnen gemeinsam für des. Vaterlandes Wohl arbeiten wollen? Keiner, der gerecht ist — und das wollen wir doch sein — wird leugnen können, welche Bedeutung unsere jüdischen Mitbürger hatten und haben, in unserer heimatlichen Kulturarbeit, in der Verbesserung unserer sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Laßt sie denn arbeiten in Frieden! Ob ein schwedischer Mann oder Frau einen jüdischen oder anderen fremden Namen trägt, der jüdischen, katholischen oder sonst einer anderen Religion angehört — was tut das —; laßt sie sein, was sie sein wollen: Schweden mit Leib und Seele. Nur der, der in Wort und Tat seine Nationalität verleugnet, mag er Jude sein, oder seine Abkunft von Olof Tmtälja herleiten, ihn mag die Entrüstung treffen, die einem Vaterlandsverleugner wird von dem, -der sein Heimatland liebt.