Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Ueber die Fleischgiftfrage
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 281 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen, 281 Der Entstehungsherd der heimtückischen Zersetzüngsgifte ist .in dem Blute unserer Schlachttiere zu suchen. — Bei allen ^gebräuchlichen Tötungsarten mit vorausgehender -Betäubung,' Schutz, Schlag oder Genickstich stockt .(gerinnt) das Blut in den Adern -und fließt beim Oeffnen der BluLg.efäße dunkelrot und träge aus der Tierleiche. Das also gewonnene Fleisch ist rascher der Verwesung ausgesetzt als das Fleisch der sogen, „geschachteten" Tiere. Bei Anwendung des Halsschnittes st rö m L das Blut mit einer gewissen Wucht hellrot aus und macht das Fleisch, blutleer. -- Mit den „SchächLgeouern" wollen wir setzt nicht darüber streiten, wie mehr oder weniger grausam das Schächten anderen Tötungsarten gegenüber sei, sondern wir wollen unfern Schutz in erster Linie dem Menschen als Verzehrer angedeihen lassen, indem wir ihm raten: Iß nicht das Fleisch betäubter, sondern iß dasjenige durch Halsschnitt geschlachteter Tiere." — Die Handelskammer und der D. H. D. Das aggressive und gehässige Treiben des Deutsch-nationalen Handlungsgehilsen-Verbandes scheint nun auch den berufenen Vertretungen des Handelsstandes mehr und mehr zum Bewußtsein zu kommen. So hat z. B. die Handelskammer zu Elberfeld am 16. April d. Is. beschlossen, die Einladung des Vorstandes des Gaues Niederrhein-Westfalen des Deutsch-natior alen Handlungsgehilfeu-Verbandes zu einem am 3. Mai in Elberfeld stattfindenden Rheinisch- Westfälischen Handlungsgehilfentage abzulehnen, mit dem Hinweis auf die st ä n d i g e n, mitunter außerordentlich gehässigen Angriffe, welchen die Handelskammern von seiten dieses Gehilfenverbandes ausgesetzt sind. — Revision des bayerischen Juöeneöikts. Die kirchlichen Verhältnisse der bayerischen Juden sollen, nach einer von dem Kultusminister Dr. v. Knilling, im Finanzausschüsse der Abgeordnetenkammer am 28. April gemachten Mitteilung, durch eine Revision des' veralteten Iüdenedikts gesetzlich neu geregelt werden. Der nach in diesem Jahre festzustellende! Gesetzentwurf wird den bayerischen Landtag in der nächsten Sessrvn beschäftigen. Wie die Münchener Neuesten Nachrichten berichten, will das Ministerium die bep den Israeliten bestehenden Anschauungen zur Geltung kommen lassen, so daß, ohne in die innerkirchlichen Verhältnisse der israelitischen Kultusgemeinden einzugreisen,,. für die verschiedenen Richtungen soviel Bewegungsfreiheit geschaffen wird, daß keine über Gewissensbedrückung zu klagen Ursache hat. — Dierrvöchentliche Ferienkurse für jüdische Schüler mittlerer und höherer Lehranstalten im Alter von 12 bis 18 Jahren wird die Zion-Loge Hannover in diesem Jahre in der ErziehungsanstaLt Ahlem veranstalten, wofür die Loge Kräfte engagiert hat, welche die Knaben beaufsichtigen itub ihnen Anweisungen im Garten- und Gemüsebau erteilen sollen. Neben dieser Beschäftigung in Ahlem sind geplant: Besichtigung der Anstalt in Peine und des Lehrgutes Steinhorst, Ausflüge in den Deister und Harz, Wanderungen durch die Heide und das Kalisalzgebiet. Für Wohnung und rituelle Verpflegung in schön gelegener Pension ist Sorge getragen. Der Preis beträgt für vier Wochen, alles inbegriffen, 150 Mark. Anmeldungen sind bald zu richten an die Zion-Loge in H a n n o v e r. — Das Hotel „Drei Röntge" im Richstein i. Tirol, das früher „antisemitisch" war, trägt, wie uns von Vereinsmitgliedern mitgeLeilt wurde, diesen Charakter nicht mehr/ seitdem ein anderer Besitzer es verwaltet.