Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- Titelvermittlung
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
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280 Frrr deuLsHen ZLskchi, „Der von Preußen verliehene Titel, also ohne Zusatz, ist natürlich am wertvollsten, aber auch am teuersten. Ihre Personalien sind an maßgebender Stelle vorgelegt worden, weil sich die Forderungen von Fall Au Fall anders stellen. Höher bei Ausländern als bei Inländern, höher bei Juden als bei NichLjuden. Man verlangt also in Ihrem Falle: 1. Sie müssen, damit das Dekorum gewahrt wird> noch eine gedruckte Abhandlung einreichen. Diese braucht nicht umfangreich zu sein, es ist nur Formsache. 2. An eine gewisse Stelle sind zu zahlen 40 000 M. und 1300 M. Vermittlungsspesen. Der Betrag verfällt nur dann, wenn Sie das amtliche Ernennungsdekret vom Kultusminister in der Hand haben. Sollte trotzdem, durch irgendeine Zufälligkeit, was nicht wahrscheinlich ist, die Ernennung scheitern, so haben Sie keinen Pfennig zu zahlen. Es ist also ein Bar- oder Zug-um^-Zug- EeschäfL. Das Nähere über die Einzahlung bei einem eingeweihten Notar wird erst mitgeteilt, sobald Ihr Entschluß vorliegt. Irgendein Nisiko laufen Sie nicht. Die strengste Diskretion wird garantiert/ — Die Hauptleitung öes Bundes öer Deutschen in Meöerösterreich, Wien 7, Mariahilferstraße 98, übersandte dem Direktor einer jüdischen Realschule Norddeutschlands eine Anzahl Ansichtskarten mit der Aufforderung, diese zum Besten der Bestrebungen dieses Bundes unter den Schülern der betreffenden Schule zu vertreiben. Der Direktor schrieb an den genannten Bund, daß er gerne bereit sei, nach Kräften der Aufforderung zu entsprechen, daß sich aber zuvor die Hauptleitung äußern solle, ob der Bund nicht antisemitischen Tendenzen huldige. In Oesterreich liegen ja die Verhältnisse vielfach leider so, daß „deutsch" gleichbedeutend mit „antisemitisch" ist. Eine Antwort ist auf diese Anfrage nicht erfolgt. — Die Zeitschrift „Feierabend", „W ege zur Freude an Werk, Wissen und WelL", hat in der Nr. 31 des laufenden Jahrgangs eine Humoreske von Erwin Nosen „D er deutsche Lausbub in Amerika" mit der Einleitung veröffentlicht, „Jungens, Herrschaft! — es gibt ein Hauptvergnügen im „Feierabend". Den jüdischen Fortöildungsschülern wird aber diese Humoreske nicht nur kein Vergnügen bereitet haben, da der Verfasser in derselben einen angeblich- „knoblauchduftenden Juden" eine lange Unterhaltung im Jargon mit dem „Lausbuben" führen läßt. Bei einer von dem Antisemitengift schon infizierten Jugend mag dieser Lesestoff einen Lacherfolg erzielen, der für ihre jüdischen Kameraden sicher kränkend ist. Ob eine solche geistige Kost der Jugend irgendwie den „Weg zur Freude an W e r k, Wissen und .Welt" zu bahnen geeignet ist, mögen die Lehrer, die in vielen Fällen Aufsätze des „Feierabend" zu Lese- und Stilübungen benutzen sollen, in ernstliche Erwägung ziehen. — Aeber die Fleischgiftfrage enthält die „Leipziger Abendzeitung" vom 2. Mai d. I. nachstehende offenbar sachverständige Aeußerung: „Die in jüngster Zeit häufiger vorgekommenen Falle von Fleischvergiftungen haben die Frage nach Entstehung des Fleischgiftes wieder rege werden lassen. Die Vegetarier sehen schon die Zeit gekommen, das Volk über die Entbehrlichkeit des Fleischgenusses durch Anschlag an die Litfaßsäulen aufznklaren. — Wir brauchen aber nicht, wie sie aus Furcht vor Vergiftung auf jeden Fleischgenuß verzichten, wenn wir uns zu einer Schlachtmethode bekennen würden, die gerade in Sachsen — weil sie die den Juden religionsgesetzlich vorgeschriebene -ist — so sehr bekämpft wird.-