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Im deutschen Reich · 1914-06-01 · Heft 6 (Juni 1914) · p. 279

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 6 (Juni 1914)
Article
Geschäftsschädigung durch Märchen
Date
1914-06-01
Page
279 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen; 279 Namen z u nennen. — Die ganze Sache ist also, wie jeder sofort herausfinden wird, erfunden und kurz vor Ostern verbreitet worden, um gegen jüdische Geschäfte zu Hetzen. Es ist zu wünschen, daß uns solche Preßäußerungen, die geeignet sind, das Judentum heradzusetzen, stets sofort mitgeteilt werden, damit wir auf die Verleumder und Hetzer in geeigneter Weise Hinweisen. — Die Süddeutsche Zeitung auf der Anklagebank. Dieses „christlich-nationale" Blatt hatte hu Juli v. I. einen Herrn Fabian als Korrespondenten und Inseratenpropagandisten mit einem Monatsgehalt von 225 M. und ein Prozent Tantieme vom Nettoerträge des Inseratenumsatzes auf eiu Jahr engagiert und vierteljährliche Kündigung vereinbart. Am 28. März d. I. wurde ihm mitgeteilt, daß er nicht mehr Verantwortlich für den Inseratenteil zeichnen dürfe, da evangelische Kreise sich darüber beschwert hätten, daß ein Israelit verantwortlich zeichne. Er bat deshalb um vorzeitige Lösung seines Anstellungsvertrages, wurde aber am 16. April auf der Stelle unter dem Vorwurf entlassen, Diebstahl und Unterschlagung begangen zu haben. Der entlassene Inseratenchef erhob dagegen Klage auf Zahlung eines Schadenersatzes. In der Verhandlung vor dem Stuttgarter Kaufmannsgericht bestritt am 30, April der Sachverständige, daß in der privaten Benutzung einiger Karten aus der Kartothek der Zeitung im Werte von wenigen Pfennigen und Anlage eines Terminkalenders für inserierende Firmen ein Grund zur Entlassung zu erblicken sei. Aach längerer Verhandlung einigte man sich auf Vorschlag des Vorsitzenden dahin, daß die Beklagte 800 M.- «Schadenersatz bezahlt. Der Stuttgarter „Beobachter" sagt: „In jüdischen Kreisen wird das Vorgehen des „rechtsnationalen" Blattes die günstigsten Empfind-ingen auslösen" und betont, daß in diesem Falle von der „Süddeutschen Zeitung", die sich dagegen verwahrt, antisemitisch zu sein, die Religionsgemeinschaft, die sie bei der Anstellung gekannt hat, zum Grund der Kündigung gemacht wurde, — Antisemitische Verbrscherbejubelung. In dem kleinen oberhessischen Ort K r a i n f e l d ist der FruchLhändler Abraham Stein, als er am 28. April einem Einbrecher entgegentrat, von diesem durch einen Beilhieb niedergeschmettert worden. Auch die dem Unglücklichen zu Hilfe eilenden Familienglieder wurden durch Veilhiebe von dem Verbrecher schwer verletzt, der, noch bevor er entfloh, das Haus in Brand steckte. Bei der Beerdigung Steins bekundete die "über die Untat des zurzeit noch unermittelten Einbrechers aufs tiefste entrüstete christliche und jüdische Einwohnerschaft die herzlichste Teilnahme mit der im Orte sehr angesehenen Familie Stein. Um so größere Empörung mußte es Hervorrufen, daß in der Wacht zum nächsten Sonnabend in einer der lebhaftesten Straßen an einem jüdischen Hause in Seligenstadt i. Hessen die Inschrift entdeckt wurde: „Hoch Krainseld — Tod den Hunden!" Die in Oelfarbe groß geschriebene Inschrift versetzte die am Sonnabend auf dem ^avege zur Synagoge vorübergehenden Juden in begreifliche Erregung und veranlaßte dem Gemeindevorstand zu einer Beschwerde bei dem Bürgermeister und zur Strafanzeige bei der SLaaLsauwaltschaft. — TiLelvernritLLnng. Der Aussehen erregende Brief, der durch den Abgeordneten Liebknecht an die Oeffentlichkeit gebracht ist und den groben Unfug beleuchtet, der mit unerlaubter Titel-Beschaffung getrieben wird, ist insofern recht interessant, als^auch aus diesem Gebiete vorgesehen ist, daß Iuden eine E^tra- Steuer bezahlen müssen, wenn es ihnen einfallen sollte, sich aus diesen Abweg zu begeben. Das Schreiben lautet:

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