Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-06-01
- Page
- 268 (sequence 2)
- Language
- German
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268 Im deutschen Reich. führlichen Darlegungen des Syndikus. Sowohl was Herr Dr. Holländer über das Verhältnis zu den politischen Parteien und zur Presse vorbrachte als auch seine Mitteilungen über literarische Propaganda, fand die ungeteilte Aufmerksamkeit der Delegiertes, ganz besonderen Beifall aber erregten die Angaben über innere Mission, wobei die Notwendigkeit einer besseren Berufsverteilung unter den Juden und die dringliche Forderung, so vielen unserer jungen Leute Zu einer besseren Existenz zu verhelfen, klar und überzeugend begründet wurden. Die Delegierten sprachen sich eingehend über das Gehörte aus und nahmen sodann die Wahl der geschäftsführenden Mitglieder für die nächsten drei Jahre vor: zum Vorsitzenden wurde Dr. Feldmann, zum Schriftführer R.-A. Mainzer II, zum Kassierer Wilhelm Lichter — alle in Stuttgart — einstimmig wiedergewählt. Aach der Mittagspause stellte man das Win- Lerprogramm für alle württembergischen Orte in eingehender Besprechung und mit Berücksichtigung der Wünsche der einzelnen Vertreter fest. Einstimmig ward dem Wunsche Ausdruck gegeben, der Syndikus möge es ermöglichen^, auch an der nächstjährigen Sitzung teilzunehmen. — In Düsseldorf fand am 7. Mai unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalts Dr. Kann eine Versammlung der Ortsgruppe Düsseldorf des Eentralvereins statt, die von etwa 500 Personen besucht war. Aach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden hielt Herr Rabbiner Dr. Eschelbach er aus Düsseldorf einen Vortrag über „Gesellschaftliche Aufgaben der deutschen Juden", sodann Herr Rechtsanwalt Dr. Herzfeld aus Essen einen Vortrag über „Aationaljudentum". Beide Redner fanden mit ihren interessanten Ausführungen reichen Beifall. An diese Vorträge schloß sich eine angeregte Diskussion, die sich insbesondere mit der Wandervogelfrage befaßte. An dieser Aussprache beteiligten sich die Herren Kaufmann Oskar Manes, Schriftsteller Rosenthal, Rechtsanwalt Dr. Isi Kahn aus Köln und Rechtsanwalt Dr. Herzfeld aus Essen. In der Versammlung erfolgten 29 Aeuanmeldungen. Verernsnachrichteri. — An öie jüdischen Mitglieder des Wandervogels richtet Herr Willy Spinn in Willinghausen, Mitglied unserer Ortsgruppe Ziegen ha in, einen Aufruf, in dem er sagt: „Nachdem über die Frankfurter Resolution so viel geredet und geschrieben worden ist, dürfen wir jüdischen Wandervögel nicht die Hände in den Schoß legen. Wenn wir gemeinschaftlich Vorgehen, können wir viel erreichen; deshalb müssen wir uns irgendwo treffen und mündlich aussprechen. Von Wandervögeln, die in Frankfurt waren, hörte ich, daß die Ganvertreter dort unter dem Einfluß antisemitischer Aeberredung standen. Der Hessen-Gau, dem ich angehöre, ist z. B. nicht antisemitisch. Wir müssen Beschlüsse der Gaue, denen wir einzeln angehören, herbeisühren, die ungefähr so lauten wie die Antworten, die ich von Kreiswarten und Gauleitern erhielt: „Für uns gibt es überhaupt keine Iudenfrage; jeder unbescholtene, anständige Mensch, gleichviel welcher Konfession, ist uns willkommen." Vor allem ist es falsch, vorläufig auszutreten, wo der Antis emitismus nicht begründet ist. Ich nehme an, daß wir dann nicht nur auf die Unterstützung des Eentralvereins deutscher Staatsbürger' jüdischen