Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Das israelitische Konsistorium in Straßburg
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 234 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316846--24700-2348698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
234 Im deutscherr Reich. O Das Israelitische Ronsistoriurrr in SLratzburg hatte am 25. Februar einstimmig beschlossen, dem Anterstaatssekretär a. D. Dr. Petri mitzuteilen, wie sehr es seinen Rücktritt von der Leitung der Kultusverwaltung bedauere. 'Auf das bezügliche Schreiben ist folgende Antwort erfolgt: „Dem Israelitischen Konsistorium des Anterelsaß spreche ich für die mir zugegangene ehrenvolle Zuschrift vom 25. d. M. meinen verbindlichsten Dank aus. Dem unsere ganze Gesetzgebung beherrschenden segensreichen Grundsatz der absoluten Gleichberechtigung aller Staatsbürger und aller Konfessionen habe ich mich während meiner Amtstätigkeit stets bemüht, vollste Geltung zu verschaffen. Ist es mir gelungen, die Interessen des israelitischen Kultus, meiner Pflicht gemäß, zu schützen und zu fördern, so ist mir diese Aufgabe durch das unentwegte Entgegenkommen und die verständnisvolle Mitwirkung der israelitischen Kultusbehörden, insbesondere des Konsistoriums des Änterelsaß, leicht gemacht worden. Meine Beziehungen zu diesen Behörden werden mir stets, zu den angenehmsten Erinnerungen aus meiner BeamtenlauHahn gehören." » <C Jm Gstseebaö Zinnowitz sind jüdische Gäste ber vielen Wirten nicht gern gesehen. Am so mehr scheint es uns angebracht, darauf chinzuweisen, daß sie in Dr. Helwigs Jugend-Sanatorium Hubertusburg guter Aufnahme sicher sind, # — Gin Ritualnrorönrärchen ln Tpestpreutzerr. Von unserer Ortsgruppe Könitz geht uns folgende Mitteilung zu: Verschiedene Zeitungen brachten den Bericht über einen angeblichen Ritualmord in Zempelburg und knüpften daran die Bemerkung, daß wilde Gerüchte die Stadt durchzögen. Ein bei dem jüdischen Viehhändler Georg Werner in Zempelburg dienendes Mädchen Schmidt ist nach dem Gutachten des praktischen Arztes Dr. Favre an Gasvergiftung verstorben, da sich in dem Schlafraum der Gasschlauch von dem Gaskocher gelöst und das Mädchen verabsäumt hatte, den Gashahn zu schließen.. Durch einen antisemitischen Agitator, der sich schon bei den vergangenen Reichstagswahlen für Sedlatzek eifrig betätigt hatte, wurde das Gerücht verbreitet, das Mädchen sei von den Juden zu rituellen Zwecken getötet worden. Bet einer Anzahl von Leuten fand er Gegenliebe, und es wurde das Gutachten des Dr. Favre angezweifelt. Die Leiche wurde daher auf Veranlassung der Eltern des Mädchens, die der Agitator in seinem Sinne bearbeitet hatte, von dem praktischen Arzt Dr. Krebs in Vandsburg untersucht, der ebenfalls zu dem Resultat des Dr. Favre gelangte und feststellte, daß von Schnitten und Blutleere au der Leiche, wie es von dem Agitator behauptet worden war, keine Rede sei. Die Leiche ist von der Behörde anstandslos zur Beerdigung freigegeben worden. Die Flatower Zeitung fügte ihrem Berichte über die verbreiteten Gerüchte den Wunsch hinzu, Paß die Behörden die Arheber solcher ebenso törichten wie böswilligen Gerüchte feststellen und zur Verantwortung ziehen mögen. Wir schließen uns diesem Wunsche an. Der Agitator, um den es sich -handelt, ist ein Schneidermeister Klein in Zempelburg. Der überwiegende Teil der hiesigen Bevölkerung ist solchen antisemitischen Mätzchen nicht zugänglich