Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Ein Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 Im deutschen Reich. die Stellung der Regierung richten wird. Fleisch vom geschachteten Tier soll aber nur unter entsprechender Bezeichnung in den Handel gebracht werden." Sodann erklärte der Abgeordnete K o ch von der Fortschrittlichen Volkspartei: Wii^ müssen uns damit absinden, daß ein Teil des Judentums das Schächten als religiöse Forderung ansieht. Wenn er auf dem Standpunkt der Gewissensfreiheit stehe,, so könne er sich auf den Apostel Paulus berufen. Tierquälereien kämen auch bei den Parforcejagden vor. Rach dem Schlußworte des Antragstellers erfolgte einstimmige Aeberweisung des Antrages an die Beschwerde- und PeLitionsdeputation. * A Herr Superintendent Brunabund in Stendal sollte, nach einem Bericht der Zeitung, „Der Altmärker", in einer am 3. März in Stendal veranstalteten Versammlung des Evangelischen Arbeitervereins gesagt haben, die Sozialdemokratie werde von Juden beherrscht, und die Juden hätten kein V erst ä n d n i s für d e u t s ch e A r t und deutsches L m p f i n d e m Dazu bemerkte der „Altmärker": „Man muß es bedauern, daß ein Geistlicher sich in so aggressiver Form zum Antisemitismus bekennt, Und unsere jüdischen Mitbürger dürften sich entschieden dagegen verwahren, daß ihnen das Verständnis für deutsche Art und deutsches Empfinden einfach ^gesprochen werde. In Wirklichkeit verdankt gerade unsere Kultur vieles den so oft ohne Grund geschmähten' Juden. Viele von ihnen sind führende Geister geworden und haben deutscher Art und deutschem Wesen zum Ansehen verholfen. Denken wir nur einmal an Mendelssohn, der als eine (Läule der klassischen Kirchenmusik bezeichnet werden muß. Ihm wird man kaum das Verständnis für deutsche Art und deutsches Empfinden absprechen können. And wie ihm so auch der Mehrzahl seiner Eckammesgenossen, die sich in Deutschland wohl fühlen, gute Deutsche geworden sind und als solche geachtet werden müssen." — Wir haben uns gestattet, den Herrn Superintendent Brunabund darauf aufmerksam zu machen, daß die Behauptung, „die Juden hätten kein Verständnis für deutsche Art und deutsches Empfinden",- derkränkendste Vorwurf sei, der den Juden gemacht werden könne, deren Vorfahren seit Jahrhunderten auf deutschem Boden wohnten, die deutsche Sprache redeten und Schulter au Schulter mit ihren christlichen Mitbürgern für das deutsche Vaterland gekämpft hätten.- Herr Superintendent Brunabund in Stendal hat darauf in einem vom 3. April datierten Schreiben erwidert, er könne den Ieitungsbericht keineswegs als zutreffend anerkennen. Er hat dann wörtlich erklärt: „Eine referierende Ausführung über die Entwicklung der internationalen Sozialdemokratie, in der allerdings manche Juden, wie geschichtlich, feststeht, eine führende Rolle gespielt haben, führte mich zu der Empfehlung der nationalen Arbeiterbewegung, an der auch der hiesige evangelische Arbeiterverein Leilnehmen will. Darin liegt kein Antisemitismus im Sinne Ihres Briefes, kein Angriff auf das jüdische Bekenntnis und keinerlei Kränkung der ehrenhaften Männer, die ihre nationale Gesinnung in Krieg und Frieden bewiesen haben und noch beweisen. Insbesondere habe ich an keinen mir bekannten Juden gedacht, der hierin etwa eine Kränkung erblicken könnte. Ich muß deshalb die Schlußfolgerungen Ihres Schreibens persönlich ablehnen und kann sie nur dem Konto einer unzureichenden Berichterstattung zuweisen." — Das an sich sehr erfreuliche Schreiben erklärt nur nicht, wozu der Hinweis auf das Religionsbekenntnis der wenigen Juden