Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Die Stellung des Katholiken zum Theater
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 230 (sequence 1)
- Language
- German
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m Im beut)cf)eit Reich. — Die Stellung des KaiBoItfen zürn Z^zatcx hat nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" der bekannte Münchener Schriftsteller?. Dr. Lxpeditus Schmidt kürzlich im Katholiken- Kiomitee in Frankfurt in einem Vorträge behandelt. Er hat dabei bedauerlicherweise für das, was er in der Theaterkunst als sittengefährdend und religionsfeindlich erkannt, die Logen und das Judentum verantwortlich gemacht, wenn er auch das katholische Publikum, das sich frivole und leichte Buhnenkost gefallen läßt, nicht von aller Schuld freigesprochen hat. Es ist jedoch Herrn Dr. Expeditus Schmidt nicht möglich gewesen, den Rachweis zu führen, welches von den vielen Stücken, die er mit Recht als zur sittlichen Hebung des Volkes ungeeignet betrachtet, von einem Juden verfaßt wurde. Er hat sich auch deshalb Wohl gehütet, auf die Konfession der meisten Verfasser der neuzeitlichen französischen Ehebruchsdramen näher einzugehen und den Ausweg gesucht, zu erklären, die Zensur zu handhaben sei schwierig; sie sollte oft weniger das Wort des Dichters treffen, als die Möglichkeit der Verzerrung durch schlechte D a r st e l l u n g. Daß jüdische Schauspieler bei ihren Rollen in solchen bedenklichen Theaterstücken sich größerer Aebertreibungen schuldig machen als ihre christlichen Kollegen, hat bisher noch niemand ernstlich behauptet. So wälzt denn Herr?. Dr. Schmidt den T h e a t e r l e i t u n g e n mit den lapidaren Worten zu: „Als die größten Gegner wirklich guter Theaterkunst sind in neuer Zeit die Logen und das Judentum anzusehen. Das Judentum ist natürlich Vonchrist- 11 dy e it Bedenken völlig frei, nur bet Ka f s e n r ap p o rt sei i h m maßgebend, weniger die sittliche Qualität desdramatischen Kunstwerk s". Richt einen einzigen Ramen hat aber Herr k. Dr. Schmidt nennen können, auf den diese beleidigende Behauptung zutreffend sein würde, dagegen gibt es sehr viele nichtjüdische Theaterdirektoren, von denen, was bei den jetzigen mißlichen Theaterverhältnissen kaum zu verübeln ist, der Kassenrapport als eine sehr wichtige Sache betrachtet wird. Wir aber brauchen ihm zur Wiederlegung seiner scharf an das „Antisemitische" streifenden Behauptung nur den einzigen jüdischen Ramen Raphael Loewenfeld zu nennen, des Theaterleiters,. der in Berlin Volkstheater geschaffen hat, in denen Minderbemittelten für erschwingliche Preise eine Bühnenkost geboten wird, die nicht nur vom Standpunkt der Ethik einwandssrei, sondern auchgeeignet ist, das Theater zu einer Bildungsstätte und zu einem Erholungsort zu machen. Was Herr Pater Dr. Schmidt anstrebt, beschränkt sich aber offenbar nicht aus das, was Thomas von Aqnina, Bonaventura und andere große katholische Theologen des Mittelalters, die das sittenreine Theater nur als eine „e r l a u b t e E r h o l u n g" betrachteten, gebilligt halpen, sondern ist die von den Jesuiten geübte eifrige Pflege der katholischen Schulbühne und die Verhinderung der vollständigen Aeberlassung des Theaters an Kreise, die sie als ihre Gegner betrachten. Er verwies deshalb in seinem Vorträge auf das Beispiel der Berliner Freien Volksbühne, an der aber unseres Wissens Juden in hervorragendem Maße beteiligt sind, und regte, weil deren 'Mitglieder ein eigenes Theater errichtet haben, eine ähnliche katholische Organisation an. Aehnliches hat ja auch der christlich-soziale Oberbürgermeister Lueger in Wien seinerzeit in die Wege geleitet: „War' der Gedanke nicht verwünscht gescheit, man wär' versucht usw." L.