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Im deutschen Reich · 1914-05-01 · Heft 5 (Mai 1914) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 5 (Mai 1914)
Article
Deutsche Bergwerks-Zeitung
Date
1914-05-01
Page
227 (sequence 2)
Language
German
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V er einsnachrichten^ 227 Wochenschau der Sonnlagsnummer vom 13. Fan. d. I. den Satz eingcstoa)Leu hätte: „Die schlimmsten Aebeltäter sind die englischen und französischen Telegraphenbureaus, das von einem deutschen Juden und spateren koburgischen Baron begründete Bureau Reuter und die Agence Havas, die einträchtig Hand in Hand arbeiten und denen die Blätter der ganzen Welt offen stehen." QUtf diese Anfrage antwortete die Deutsche Bergwerks-Zeitung fast nur mit der Frage: „Erblicken Sie in der Bezeichnung des Herrn Reuter als „Juden" etwas Anstößiges?" Dies veranlaßte unser Bereinsmitglied zu der bis heute unbeantwortet gebliebenen Anfrage: „Haben 'Sie die angebliche jüdische Abstammung Reuters etwa erwähnt, um den deutschen Juden eine Freundlichkeit zu sagen? Sie müssen doch wohl selbst sagen, daß es deutsche Patrioten verstimmen muß, wenn man vaterlandslose Gesinnung mit dem Religionsbekenntnis in Beziehung setzt." — Frieörich-wilhelnr-Baö ttt Kolzin. Bon Mitgliedern unseres Vereins, die als Badegäste sich in Polzin ausgehalten hatten, war uns die Mitteilung zugegangen, daß auf einer von der Kurvereinigung veranstalteten Reunion seitens des Besitzers des F r i e - drich-Wilhelm-Bades, des Herrn Paul Radel, antisemitische Aeußerungen gefallen seien. Unsere wiederholten Schreiben an Herrn Radel blieben unbeantwortet. Wir wandten uns daraufhin an Herrn Bürgermeister B r o d e, den Vorsitzenden der Badeverwaltung, die ebensosehr das Interesse, wie auch die Pflicht hat, dafür zu sorgen, daß Gäste jüdischen Glaubens vor Beleidigungen irgendwelcher Art geschützt werden, um von seiner Stellungnahme es abhängig zu machen, ob wir jüdischen Badegästen von dem Besuch Polzins abraten sollen. Zu unserer Genugtuung können wir feststellen, daß der Bürgermeister in seinem Antwortschreiben das Vorkommnis persönlich lebhaft bedauerte und auch Herrn Radel gegenüber sein Bedauern darüber, daß er die fragliche Aeußerung getan hat, zum Ausdruck gebracht hat. Herr Radel hat sich auch beim Bürgermeister und bei einzelnen Juden Polzins entschuldigt. — Samuel Goldberger. In den „Münchener Neuesten Nachrichten" wurde am 7. Dezember v. I. unter der Aeberschrift „Liebe" eine Skizze veröffentlicht, in der in den häßlichsten Farben ein Geschäftsmann geschildert war, der in ferner Geldgier Armut und Notstand einer bedrückten Familie sich in roher Weise zunutze macht. Der diesem verwerflichen Ausbeuter beigelegte Name „Samuel Goldberger" ließ voraussetzen, daß diese Erzählung antisemitisch wirken würde, denn der Leser dieser Skizze mußte den Eindruck empfangen, daß nach Ansicht des Verfassers solche Wuchereigenschaften speziell jüdisch seien, und dieser angebliche „Samuel Goldberger" einen ausgesprochenen jüdischen Typus darstelle. Wir haben den Verfasser dieser Skizze darauf aufmerksam gemacht, daß diese Kennzeichnung eine völlig unberechtigte ist und den Tatsachen in keiner Weise entspricht. Wer unbefangen urteilt, wird wissen, daß es unter den Ausbeutern und Volksbedrückern Juden und Christen gibt und daß es durchaus ungerecht ist, den Normaltypus solcher gefühlloser Menschen in dem Juden zu erblicken. Hoffentlich wird unsere Vorstellung den Verfasser veranlassen, künftig ähnliche irreführende Darstellungen zu vermeiden.

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