Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Lesehallen
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 226 (sequence 2)
- Language
- German
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226 Im deutschen Reich. Ich darf daher und nicht zum wenigsten auch mit Rücksicht auf die zahlreichen, fleißigen israelitischen Besucher der akademischen Lesehalle nochmals um die Entfernung des Buches ergebenst bitten und sehe der freundlich in Aussicht gestellten Aeußerung des Gesamtvorstandes gern entgegen. Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst. Die Antwort lautete: Sehr geehrter Herr! Auf Ihr gefl. Schreiben vom 12. Januar beehre ich mich Ihnen ergebenst mitzuteilen, daß gemäß dem Beschluß des Vorstandes das Buch „Semi-Kürschner" aus der Handbibliothek der akademischen Lesehalle ausgeschieden worden ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorsitzende des Vorstandes (Unterschrift). Wir veröffentlichen diesen Briefwechsel, damit die Leser unserer Zeitschrift in ähnlicher Weise auf den Bücherbestand der akademischen Lesehallen, vor allem aber der aus öffentlichen Gemeindemitteln erhaltenen V o l r s bibliotheken und Lesehallen ein achtsames Auge haben werden. — Spott und Selbstverspottung. Im Novemberheft v. Is. ist bereits von Herrn Dr. Alfred Goldschmidt auf das 'Bestreben des Centralvereins hingewiesen worden, die Theater und anderen Veranstaltungen zu verhindern, bösartige Verspottungen der Juden zu bringen. In unserm Februarhest haben wir dann ein „Eingesandt" veröffentlicht, in dem der inzwischen leider verstorbene Hofrat Dr. Goldschmidt in Bad Reichenhall sich eingehend über dieses Thema äußerte, und dabei auf „eine Chansonette" verwies, die in einem Münchener Kabarett unter dem Titel „Ein Traum", ein die Juden verhöhnendes Lied zum Gaudium der anwesenden Antisemiten, 'vorgetragen habe. Diese Artistin war mir der unter dem Namen „Ruth-Ruth" auftretenden Jüdin identisch, die diesen Unfug bereits in Düsseldorf und München getrieben hatte, wo der Direktor des betreffenden Kabaretts von uns veranlaßt wurde, den Vortrag des „koscheren Traums" aus dem Programm zu entfernen. Da die Soubrette Ruth-Ruth trotzdem im Februar dieses Jahres dasselbe Spottlied in abstoßender Weise in Essen allabendlich vortrug, und die jüdischen Besucher detz Kabaretts sich darüber zunächst vergeblich bei dem Wirt des „Germania-Kabaretts, Herrn Ernst Nordmeier, beklagten, haben wir der Artistin selbst ein Schreiben zugehen lassen, in dem wir betonten, wie bedauerlich und besonders schmerzlich es sei, wenn sich eine Jüdin dazu her gäbe, im Kabarett das Judentum zu karikieren und lächerlich zu machen. Die Sängerin hat, wie uns berichtet wurde, das Spottlied nicht nur wieder vorgetragen, sondern es noch prononcierter zum Ausdruck gebracht. Bald darauf hat aber der Vorstand unserer Ortsgruppe Essen von Herrn Nordmeier die schriftliche Erklärung erhalten, daß. das „Ruth-Engagement" be^ endet sei. Wir können dieser unwürdigen Handlung einer Jüdin gegenüber nur auf die in unserem November-Artikel betonte Pflicht selbstbewußter Juden verweisen, grundsätzlich Theater und Kabaretts zu vermeiden, in denen einem solchen Treiben Vorschub geleistet wird. — An die „Deutsche Bergrverks-Zeitung" hatte sich ein Vereinsmitglied in Essen mit der Anfrage gewandt, weshalb sie in die