Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-05-01
- Page
- 219 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bersammlungsberichte. 219 Referat über „Die wirtschaftliche und politische Lage der deutschen Juden" übernommen. Er gab eine Aebersicht über die zahlreichen Fälle aus jüngster Zeit, die auch noch jetzt die Zurücksetzung der Juden, insbesondere im politischen Leben und auf wirtschaftlichem Gebiete kennzeichnen, indem er gleichzeitig heroorhob, wie in allen diesen Fällen der Centralverein gewirkt und dazu beigetragen habe, Erleichterung und Abhilfe zu schaffen. Das mehr als einstündige Referat wurde sodann von Herrn Iustizrat Dr. Horwitz noch ergänzt, der insbesondere die Erschwerung der Konzessionserteilung an jüdische Apotheker, das nicht durch Liebe zu den Tieren, sondern durch Haß gegen die ^rien]c|ett dittierte neueste Vorgehen gegen das rituelle Schächten und das betrübliche antisemitische Wirken von Lehrern hervorhob. An der auf bk Referate folgenden kurzen Diskussion beteiligten sich die Herren Lewin und Dr. Mottet. Die von Herrn Dr. G o t t h e ine r - Reukölln vorzüglich geleitete Versammlung brachte den Beitritt neuer Mitglieder. Am 21. März d. I. hat in Chemnitz eine von der Ortsgruppe des C e n t r alv e r e i n s veranstaltete, gut besuchte Versammlung stattgefunden. Rach Begrüßung durch den Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Leopold Eger, sprach Herr Gerichtsassessor Dr. R a h m e r - Berlin über : Rnsere Stellungnahme zu Tagesfragen des Judentums und der Politik. Er beleuchtete dabei den politischen, wirtschaftlichen und sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus und die vom Centralverein dagegen unternommenen Maßnahmen, die Aufklärung über den Antisemitismus und über das Judentum schaffen sollen. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Iustizrat D r. Horwitz, zeigte sodaun an besonders ausgeprägten einzelnen Fällen die Notwendigkeit der Centralvereinsarbeit, die das Zusammenwirken aller, Männer wie Frauen, erfordere. Er kennzeichnete auch, an Hand der im Vorjahre .gefaßten Resolution die Stellung zum Zionismus, dabei besonders betonend, daß der Verein als solcher den Zionismus nicht bekämpfe, sondern nur dessen Auswüchse, den jüdisch-nationalen Chauvinismus, der wie jeder Chauvinismus, zu verwerfen sei, daß also nur für die Zionisten, die nur ein jüdisches Rationalgefühl kennen und ein deutsches Rationalgefühl leugnen, kein Platz im Centralverein sein könne. Die Resolution, die nichts anderes als eine Erläuterung zu § 1 der Vereinssatzung darstelle, habe auch nicht die von mancher Seite vorausgesetzte Folge des Massenaustritts .gehabt. Beide Redner fanden starken Beifall. Da eine Diskussion nicht stattfand, wurde die Versammlung, die sich auf Aufforderung des Herrn Kommerzienrats Lad ewig zu Ehren der Redner erhoben hatte, mit einem Dank des Versammlungsleiters geschlossen. Durch 27 Meldungen steigt die Zahl der Mitglieder auf 213. Außerdem erhöhte eine Anzahl Mitglieder ihre Beiträge. Im Anschluß an diesen Bericht teilen wir mit, daß die „Allgemeine Zeitung" in Chemnitz am 2. April eine Zuschrift der dortigen Zionistischen Ortsgruppe veröffentlichte, in der ihr erster Vorsitzender, Herr Dr. Sichel, die Ausführungen des Herrn Iustizrat Dr. Horwitz als eine Irreführung der ökr entliehen Meinung bezeichnte und hinzufügte: „Die Zionisten bekennen sich mit Stolz zum jüdischen Volkstum und vom jüdischen NaLionalgefühl getragen, erstreben sie die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk, und sie sehen in der Erreichung dieses Ziels die einzige Möglichkeit zur Lösung der Iudenfrage und